Können wir uns gegen die einseitig antiisraelischen Medien wehren?

Können wir uns gegen die einseitig antiisraelischen Medien wehren?

von Manfred Gerstenfeld

Man kann nicht gegen alle, nicht einmal gegen die Mehrzahl der einseitig gegen Israel eingestellten Medien vorgehen. Die klassische und teure Methode besteht darin, dass Medien-Watchdog-Organisationen einige von ihnen verfolgen und sie auffordern Fehler zu korrigieren. CAMERA hat damit zum Beispiel Erfolge bei der für ihre antiisraelischen Artikel berüchtigten New York Times erzielt. Honest Reporting zwang dieselbe Zeitung sich zu entschuldigen, nachdem sie ein Bild veröffentlichte, von dem behauptet wurde, es zeige, wie ein israelischer Polizist einen Palästinenser verprügelt. Es stellt sich heraus, dass das Bild einen israelischen Polizisten zeigt, wie er einen amerikanischen Juden rettete, der von Araber zusammengeschlagen wurde.1

Können wir mehr tun? Ein Ansatz ist die Entwicklung von Methoden, die weniger zeitraubend sind als vollwertiges Medienwatching. Ein Beispiel, das sich dafür anbietet, war gerade ein Artikel aus der niederländischen Tageszeitung Trouw – einer als qualitativ gut geltenden, christlichen Zeitung. Der Artikel hatte die Überschrift „Israel ist ein asoziales Land geworden“.2 Er besteht weitgehend aus von drei Einzelpersonen erhobenen Vorwürfen gegen die israelische Regierung. Einer hatte Selbstmord begangen, indem er sich selbst in Brand setzte. Der Zweite war ein Schreiber, der an den sozialen Protesten teilnahm; der dritte ist der Kopf eines israelischen Forums für Wehrdienst für alle.

Eine Möglichkeit diese Karikatur von ethischem Journalismus besteht in der Veröffentlichung eines Artikels mit dem Titel „Die Niederlande sind ein schmuddeliges Land geworden“ und diesen dem Journalismus des Trouw zu vergleichen. Ein solcher Artikel würde die niederländischen Einstellungen zu Exkrementen dokumentieren. Nach Angaben des zentralen Statistikamtes sind Exkremente das Hauptärgernis für die Niederländer. Mehr als die Hälfte der niederländischen Kommunen berichten, dass sie unter der Verbreitung der Ausscheidungen von Hunden leiden.3 Eine Umfrage zeigte weiterhin, dass die beiden Hauptbeschwerden der Niederländer bezüglich ihrer Umwelt fehlende Parkplätze und Hundeexkremente sind.4

2008 entgleiste ein Zug, fünf Menschen wurden verletzt; der Grund war Seife auf den Schienen. Anders als andere Eisenbahngesellschaften gestatten die niederländischen Eisenbahnen, dass bei der Spülung der Toiletten die Exkremente auf die Gleise entleert werden. Das macht die Schienen rutschig.5 Im selben Jahr wurde in einem Viertel von Eindhoven ein „Exkremente-Terrorist“ tätigt. Die Einwohner fanden regelmäßig kleine Pakete mit Kot vor.6

Ein bedeutender Teil des Kots auf den Straßen Amsterdams stammt von Menschen. Insbesondere in den Parks und Gassen des Stadtzentrums erreicht ihr Anteil 20% aller Exkremente. Wenn man Hunde Exkremente fressen sieht, dann sind diese in der Regeln von Menschen hinterlassen worden. Weder von unter diesem Phänomen leidenden Bürgern noch von Politikern gab es Beschwerden darüber. Das Thema wurde von der Amsterdamer Gesellschaft zum Schutz von Tieren aufgeworfen. Sie waren besorgt, dass die Exkremente Drogen enthalten und damit für die sie fressenden Tiere gefährlich werden könnten. Ein betroffener Hund musste in intensivmedizinische Behandlung, wo ihm der Magen ausgepumpt wurde.7

Weil Kot eine nationale Hauptsorge geworden ist, zog ein niederländischer Safari-Park viele Menschen mit einem eine Woche dauernden Program an, das sich auf Kot als zentrales Thema konzentrierte.8 Dieses Programm war ein derartiger Erfolg, dass es um eine Woche verlängert wurde. Damit wurde die „Kot-Woche“ zu einer der meistbesuchten Veranstaltungen der Geschichte des Parks.9

In den Niederlanden gibt es auch einen Nationalen Läuse-Tag. An diesem Tag müssen alle Eltern von Grundschulkindern die Köpfe ihrer Kinder überprüfen. Das Nationale Institut für öffentliche Gesundheit und Umwelt verteilt in der Hoffnung Röhrchen an die Kinder, dass diese mit Läusen darin zurückgegeben werden. Auch das Nationale Unterstützungszentrum für Kopfläuse nimmt an diesem Projekt teil.10

Der Moralkodex des Verbandes der professionellen Journalisten gibt an, dass die Journalisten die Pflicht haben eine faire und umfassende Beschreibung der Ereignisse und Sachverhalte bereitzustellen.11 Der Artikel in Trouw verletzt diese Moral, weil er sich auf Gespräche mit ein paar wenigen Einzelpersonen stützt. Der vorgeschlagene Artikel über Unrat in den Niederlanden ist besser belegt. Er schließt beträchtliche institutionelle Informationen und andere maßgebliche Quellen ein.

Dem Artikel in Trouw folgten mehrere extrem antiisraelische Reaktionen. Eine davon, die die Israelis mit Nazis verglich, wurde schnell entfernt. Die Zeitung wollte offenbar nicht, dass das Simon Wiesenthal-Zentrum ihrem Chefredakteur einen weiteren Brief schreibt, mit dem es ankündigt seinen 400.000 Abonnenten eine Veröffentlichung darüber zu schicken, wie man das früher wegen einer anderen antisemitischen Reaktion machte.12

Es wäre unfair gewesen Trouw aufgrund eines einzigen schäbigen Artikels bloßzustellen. Das Problem mit der Zeitung ist allerdings ein eher strukturelles. Die frühere Trouw-Journalistin Elma Drayer beschrieb in einem Interview ausführlich, dass viele ihrer ehemaligen Kollegen – als sie noch bei der Zeitung arbeitete – einseitig gegen Israel eingestellt sind, einige sogar gegen Juden.13

Das oben Beschriebene könnte der Anfang eines zeiteffizienteren Herangehens an die Offenlegung der unethischen Nachrichtenmanipulatoren unter den aus Israel berichtenden Auslandsjournalisten sein. Wenn Trouw weiter ähnliche Artikel veröffentlicht, kann der die Zeitung lächerlich machende Text auf den neuesten Stand gebracht und über Blogs wiederverwertet werden. Neben Trouw kann mit vielen weiteren Zeitungen auf die gleiche Weise verfahren werden. Macht man das erst einmal regelmäßig, werden wahrscheinlich zusätzliche Ansätze zum Umgang mit Beförderern von antiisraelischer Einseitigkeit entwickelt werden.

 

Manfred Gerstenfeld ist Redakteur der Jewish Political Studies Review und Mitherausgeber der Schriftenreihe Post-Holocaust and Anti-Semitism, sowie Vorsitzender des Präsidiums des Jerusalem Center for Public Affairs.

Quelle: Heplev

 

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20.08.2012




1 Harald Harald

Datum: 20.08.2012 - 15:36

Gegenpropaganda? Keine gute Idee. Kontraproduktiv.

Jahrzehntelang hat man sich weitgehend passiv der Volksfront-Rethorik ausgesetzt, um jetzt pubertär zu werden? Abgesehen davon, ist es in den antisemitischen Mainstream-Medien kaum möglich, allein sachlich korrekte Artikel zum Thema Israel einzustellen.

Die Versäumnisse aufzuarbeiten oder gar abzustellen bedarf mindestens der gleichen Zeit, den diese seither nahmen. Dazu ist eine enorme Anstrengung nötig, die auf vielen unterschiedlichen Ebenen und Methoden aufgebaut sein muss.

So ist es z.B. mir als reinem Privatmann gelungen, seit einiger Zeit wieder mit Kommentaren auf TAZ-Online veröffentlicht zu werden. Ein großer Fortschritt und keine Selbstverständlichkeit.

Das gleiche Kunststück ist dort auch drei bis vier anderen gelungen, mit Witz und Scharfsinn eine kleine Gegenkultur aufzubauen und vor allem den Lohnschreibern des Teheraner Regimes das Leben schwer zu machen.

Ich kann an der Stelle nur an die Leser von haOlam appellieren, sich in die Kommentarspalten der Onlinemedien einzuschalten und sich von den damit verbundenen, zwangsläufigen antisemitischen Anfeindungen nicht einschüchtern zu lassen.

Helft deutlich zu machen, daß die veröffentlichte Meinung kein ungestörter Erbhof für Antisemiten ist. Helft, ein gutes Beispiel zu geben, zumindest mal nachzudenken, wie sehr die Doppelstandards die Berichterstattung prägen:

https://www.taz.de/!c99859p3274/?tx_skpagecomments_pi1[showComments]=1&tx_skpagecomments_pi1[success]=1

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