von Daniel Leon-Schikora

Zum 20. Jahrestag des Pogroms von Rostock - Lichtenhagen

Die Hochschulgruppe Rostock der Deutsch-Israelischen Gesellschaft nimmt mit großer Sorge die Äußerungen von Innenminister Lorenz Caffier zu der heute stattfindenden bundesweiten antifaschistischen Demonstration zum Gedenken an den Pogrom von Rostock-Lichtenhagen zur Kenntnis. Caffier bekundete im Zusammenhang mit der von ihm behaupteten Gefährdung der öffentlichen Ordnung durch „linksextremische Ausschreitungen“: „Es wird nicht passieren, dass wir zu wenige Einsatzkräfte haben. Da bin ich ein gebranntes Kind“. Anstatt den barbarischen Charakter der Duldung und Begünstigung rassistischer Gewaltanwendung durch staatliche Behörden im August 1992 zu bagatellisieren, steht der Innenminister tatsächlich in der Pflicht, die Versammlungsfreiheit von Antifaschisten vollumfänglich zu garantieren.

Wir solidarisieren uns mit Beate Klarsfelds Aufruf: „In Ros­tock und an­de­ren deut­schen Städten gin­gen Men­schen im Au­gust 1992 mit ras­sis­ti­schen Ge­walt­ta­ten und Brand­stif­tun­gen gegen un­schul­di­ge Fa­mi­li­en, Kin­der, Frau­en und Män­ner vor. Wir er­in­nern an die Mil­lio­nen Kin­der, Frau­en und Män­ner, die, weil als Juden, Sinti und Roma ge­bo­ren, dem nationalsozialis­ti­schen Völ­ker­mord zum Opfer fie­len. In einer ein­zi­gen Nacht un­ver­geß­li­chen Grau­ens wur­den am 2.8.1944 die 3000 noch le­ben­den Men­schen im Zi­geu­ner­la­ger Auschwitz-Bir­ken­au durch Gas er­mor­det. Diese Er­fah­run­gen und his­to­ri­schen Verpflichtungen für das deut­sche Volk müs­sen wach­ge­hal­ten wer­den, um zu ver­hin­dern, daß sich Ge­walt und Men­schen­ver­ach­tung je wie­der­ho­len.“

Der weitverbreiten Unterstellung, die ungeheuerlichen Ereignisse des August 1992 ständen in keinem Zusammenhang zu der heutigen Lebenswirklichkeit in Mecklenburg-Vorpommern im allgemeinen und dem „bunten“ Rostock im besonderen, halten wir entgegen:

- Im September 2011 wurde einer der aktiven neofaschistischen Pogromhetzer von 1992, Michael Andrejewski (heute NPD), erneut in den Landtag gewählt.

- Im April 2012 lud der SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Dr. Norbert Nieszery Günter Grass unter ausdrücklichem lobendem Verweis auf dessen israel- und iranpolitische Positionierung als Laudator für die Verleihung des Johannes-Stelling-Preises ein, der explizit dem Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus gewidmet ist. Dies ist das krasseste Beispiel einer bedenkenlosen Ummünzung eines demokratischen Anliegens zu Zwecken der Rehabilitierung eines früheren SS-Angehörigen, der Hetze gegen Israel und die Israel-Solidarität sowie der Propagierung eines Appeasement gegenüber der Bahaiverfolger- und Holocaustleugner-"Republik" Iran.

Ereignisse wie die genannten sind keine mecklenburg-vorpommerischen Provinzpossen. Sie sind eine existentielle Herausforderung für eine Republik, die ihren Namen verdient.

Pressemitteilung der Hochschulgruppe Rostock der Deutsch-Israelischen Gesellschaft


Bild: Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen; Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Rostock-Lichtenhagen_Sonnenblumenhaus.jpg


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