Pakt für besseres Lesen und Schreiben

Die Mehrheit der Analphabeten lebt in Süd- und Westasien sowie in Schwarzafrika. Das teilt die Deutsche Kommission der Unesco zum Welt-Alphabetisierungstag am 8. September mit.

Auch einem Fünftel der Europäer mangelt es an grundlegenden Lese- und Schreibfertigkeiten. In einer Studie für die EU-Kommission sehen Experten darin ein "Alarmsignal angesichts der in Europa herrschenden Wirtschaftskrise". Nur gut ausgebildete Schulabsolventen könnten einen Job finden und zum Wachstum der Wirtschaft beitragen.

Millionen Deutsche sind funktionale Analphabeten

uch 7,5 Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren können nicht ausreichend lesen und schreiben, sind damit funktionale Analphabeten. 300.000 von ihnen sind vollständige Analphabeten: Sie können weder lesen noch schreiben. Ihr Berufsleben ist geprägt von Ängsten und dem Zwang, zu täuschen und zu vertuschen.
Rund zwei Millionen Deutsche beherrschen nur einzelne Wörter. Weitere 5,2 Millionen Menschen können zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben, scheitern aber bereits an kurzen zusammenhängenden Texten: Eine knappe schriftliche Arbeitsanweisung können sie nicht verstehen. Rund 21 Millionen Menschen, knapp 40 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung, machen selbst bei gebräuchlichen Wörtern Fehler.

Millionen von Menschen verlassen deshalb die Schule ohne Abschluss und haben damit kaum eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Sie scheitern im täglichen Leben an Speisekarten, Hinweisschildern, beim Geldabheben, am Fahrscheinautomaten oder an Klingelschildern. Es fällt ihnen schwer, eine E-Mail oder SMS zu schreiben oder sich an fremden Orten zurecht zu finden. Sie können nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen: Deshalb schämen sie sich.

Mit Grundbildungspakt gegen Analphabetismus

Die Bundesregierung will diesen Menschen helfen - zusammen mit Ländern, Kommunen, Wirtschaft und Gewerkschaften, Kammern, Kirchen und Volkshochschulen. Mit einem Grundbildungspakt gehen sie gemeinsam gegen fehlende und mangelnde Schreib- und Lesekenntnisse vor.
20 Millionen Euro stellt das Bundesbildungsministerium bis 2014 dafür zur Verfügung. "Damit haben wir einen wichtigen Schritt hin zu einem gesellschaftlichen Bündnis getan", sagte Bundesbildungsministerin Schavan. Gebraucht würden Programme, die am Arbeitsplatz ansetzten und die Sensibilität für Lese- und Schreibfähigkeiten schärften.

Nationale Strategie für Alphabetisierung

Bund und Länder haben sich über eine gemeinsame nationale Strategie zur Verringerung der Zahl funktionaler Analphabeten verständigt. Diese soll die Lese- und Schreibkenntnisse bei Erwachsenen verbessern. Rundfunk, Fernsehen und Verlage sollen in diesen Prozess ebenso einbezogen werden wie die neuen sozialen Netzwerke im Internet.

Mit seinem Förderschwerpunkt "Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener" fördert der Bund bis Ende 2012 mit rund 30 Millionen Euro insgesamt 24 Verbundvorhaben mit über 100 Einzelprojekten.
Der Deutsche Volkshochschulverband hat mit Unterstützung des Bundesbildungsministeriums das E-Learning-Portal "ich-will-lernen.de" entwickelt. Das Lernportal bietet kostenlose Online-Übungen im Bereich von Alphabetisierung und Grundbildung. Mehr als 290.000 Lernende haben sich bereits angemeldet, rund 15.000 Nutzer sind an fünf Tagen der Woche online.

Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten sprechen häufig nicht über ihr Handicap - aus Angst, bloßgestellt zu werden. Wie der gut 50-jährige Hafenarbeiter Uwe B.: Lesen und Schreiben hat er nie richtig gelernt. Mit seiner Arbeit ist er lange gut klar gekommen. Seine Schwierigkeiten begannen erst, als sein Job komplizierter wurde, und er zusätzlich Papiere ausfüllen sollte.

Rund 45.000 Menschen nehmen jährlich an Schreib- und Lesekursen teil. Uwe B. ist einer von ihnen. Mit dem Schreiben hapert es noch, einfache Bedienungsanleitungen kann er aber schon lesen.

 

Bundespresseamt



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