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Allianz gegen die Zivilisation:

Was Islamisten und Neonazis eint

Sind Islamisten in gewisser Weise Neonazis, nur mit anderem Glauben? Eine Reihe Feindbilder sind gleich und Berührungspunkte häufen sich. So demonstrieren Rechtsextreme in Hamburg gegen Muslime aber nicht gegen den Islam - und auch in Berlin nehmen Neonazis an Aufmärschen radikaler I)slamisten, wie dem sogenannten "Qudsmarsch", teil.. Ein Hintergrundbericht.

Was macht Menschen aus bürgerlichem, teilweise sogar gebildetem Milieu zu Fanatikern, die sich islamistischen, rechtsextremen oder anderen sektenähnlichen Organisationen anschließen, deren Selbstbild davon lebt, andere Menschen abzuwerten und potenziell sogar Gewalt gegen sie auszuüben? Nicht selten sind es Kinder, deren soziale Herkunft gar nicht ausschlaggebend ist, eher, dass sich in der Kindheitsentwicklung bzw. Jugend ein gestörtes Verhältnis vor allem zu Vätern entwickelt hat. Ein Thema mit viel Forschungsbedarf (Israel ist bei der Erforschung von Motiven von Selbstmordattentätern da schon viel weiter). Und was eint solche Täter und ihre Gruppierungen?

Schon am 21. August 2007 widmete sich im Onlineangebot der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein lohnender Artikel dem Thema Islamisten und die neonazistische NPD. Bemerkenswert deshalb, weil für viele dieses Thema aus einer falsch verstandenen „Political Correctness“ bislang eher ein Tabuthema ist. Der Autor des FAZnet-Artikels, Volker Weiß, ist Mitglied im Villigster Forschungsforum zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus. Anlaß für den Artikel war ein aktueller, nur auf den ersten Blick verwunderliche Vorgang in Hamburg : „Im Hamburger Stadtteil Bergedorf wird derzeit gegen den Bau einer Moschee mobilisiert. Hinter der Kampagne ´Sicheres Bergedorf´ steht der Landesverband der NPD, der von dem rechtsextremen Anwalt und Rassenfanatiker Jürgen Rieger geführt wird. Dass Neonazis zu diesem Thema aktiv werden, ist wenig verwunderlich. Stutzig macht dagegen ihre ausdrückliche Erklärung, die Agitation richte sich nicht gegen den Islam, sondern „ausschließlich gegen die zunehmende Überfremdung“. Global dagegen hebe sich der Islam als „Verbündeter der freien europäischen Völker im Kampf gegen die Hegemonialansprüche der amerikanischen Ostküste hervor“.“

Die Formulierung „amerikanische Ostküste“ wird bei den Neonazis und auch bei Islamisten als Synonym für die behauptete „jüdische Weltverschwörung“ verwendet.

Die Zusammenarbeit zwischen Neonazis und radikalen Islamisten ist weder überraschend, noch ist sie neu. In den letzten Jahren wurden u.a. von dem Fernsehjournalisten Rainer Fromm für das ZDF-Magazin Frontal 21 Belege dokumentiert, wie hochrangige NPD-Kader mit extremistischen Islamisten zusammenarbeiten, während gleichzeitig das ARD-Magazin Panorama die Belege lieferte, dass die gleichen radikalen Islamisten, die mit Neonazis kooperieren, auch mit deutschen Linksextremisten zusammenarbeiten – die antizivilisatorische Querfront der Antidemokraten in Aktion.

Die Zusammenarbeit zwischen alten und neuen Nazis sowie Islamisten hat eine sehr lange Tradition. Bereits im Zweiten Weltkrieg stellte der berüchtigte „Großmufti“ von Jerusalem muslimische Freiwilligenverbände auf, die an der Seite der Nazi-Wehrmacht kämpften. [Video] Nach der militärischen Zerschlagung der Nazi-Barbarei fanden nicht wenige NS-Kriegsverbrecher nicht nur in Latainamerika, sondern auch in arabischen Ländern Unterschlupf – vor allem in Ägypten und Syrien. Heute gewährt der Iran in Deutschland mit Haftbefehl gesuchten Neo-Nazis Asyl und einen sicheren Unterschlupf. Mit seinen Hasstiraden und seiner kriegstreiberischen Aggressionspolitik gegen Israel hat sich der iranische Diktator Achmadinedschad regelrecht in die braunen Herzen der Nazis gespielt und sich zu einer ihrer populärsten Idole aufgebaut. [Video]

Im Ansatz beschreibt der FAZ-Autor die ideolgische Grundlage der Kooperation von Islamisten und Nazis: „Gedanken an eine gemeinsame Front mit Islamisten gegen „Juden und Amerikaner“ finden sich in einschlägigen Kreisen schon länger. Selbst Rieger, rabiater Gegner jeder Zuwanderung, fragte in seinem Pamphlet „Kampf der Kulturen - Kampf der Religionen“: „Was ist für unser Selbstbewusstsein schädlicher, die Pflichtlektüre des Tagebuchs der Anne Frank in den Schulen oder eine muslimische Schülerin mit Kopftuch?“ Die derzeitige Priorität „deutscher Helden“, formulierte der Anhänger eines heidnischen „Ariertums“ weiter, sei, „jeglichem Übergreifen des jüdisch-christlichen Fundamentalismus auf Deutschland entgegenzutreten“.“

Tatsächlich ist der Antisemitismus das grundlegende Amalgam, das was Neonazis und Islamisten miteinander verbindet. Daraus leitet sich dann auch der rabiate Antiamerikanismus, die fundamentale Ablehnung der westlich-demokratischen Wertegemeinschaft und der Prinzipien der individuellen Freiheit ab, die allesamt die prägenden Parameter der Gesellschaftsordnungen der westlichen Demokratien, zu deren festen Bestandteile eben auch Israel gehört, sind.

Daneben ist der Kollektivismus ein weiterer, maßgeblicher Bestandteil sowohl der neonazistischen, als auch der islamistischen Ideologie. Wird der Kollektivismus bei den Neonazis rassistisch definiert, wird er bei den Islamisten religiös begriffen – hier ist es die Wahnvorstellung vom Kollektiv der „Rasse“, dort ist es die Wahnvorstellung vom Kollektiv der Umma. In beiden Vorstellung hat das Individuum keinen Platz und selbstredend auch keine eigenständigen Rechte. Ein Aspekt, der übrigens auch bei Teilen der extremistischen Linken zu finden ist, weswegen auch diese Teile der extremen Linken eine mehr als feindselige Haltung zu den westlich geprägten Demokratien einnimmt und insbesondere in den USA und Israel ihre Hauptfeindbilder sieht.
Etwas irritierend an den Ausführungen bei FAZnet ist, das der Autor die Öffnung rechtsextremer Kreise in Richtung Islamismus – und umgekehrt – als etwas scheinbar Neues darstellt. Doch diese Zusammenarbeit hat, wie ausgeführt, Tradition, wenn auch ihre Intensivität schwankend ist und verschiedene Formen annimmt. In diesem Zusammenhang sei nur daran erinnert, das nicht nur Angehörige der linksterroristischen RAF, sondern auch der rechtsterroristischen „Wehrsportgruppe Hofmann“ Ende 70er Jahre in den Ausbildungslagern der PLO-Terroristen im Libanon trainiert und an der Waffe ausgebildet wurden.

Der Beitrag erinnert dankenswerter Weise daran, das sich deutsche Nazi-Kader mit eigenen Beiträgen an dem „Karrikaturenwettbewerb“ des iranischen Regimes beteiligten, den diese zum Zwecke der Leugnung des Holocaust durchführten und dass das führende deutsche Internetportal der Islamisten, der sogenannte „Muslim-Markt“, auch schon mehr als nur einmal Neonazis eine Plattform zur Verbreitung ihrer Propaganda bietet. Die ideologischen Übereinstimmungen zwischen Neonazis und Islamisten sind aber wesentlich weitgehender und grundsätzlicher. Beide Ideologien verfolgen ein autoritäres, antiemanzipatorisches und von einem irrationalen, veralteten Männlichkeitswahn geprägtes Gesellschaftsmodell, das sich u.a. in der absoluten Ablehnung von Pluralismus und Minderheitenrechten ausdrückt, in der Ablehnung der Gleichberechtigung von Mann und Frau oder in einer aggressiven Homophobie.

Nicht nur Theorie
Ähnlich wie die Neonazis, arbeiten auch die Islamisten intensiv am Aufbau regelrechter Gegen-Gesellschaften, rechtsfreier Räume. Was bei den Nazis die „National-Befreiten Zonen“ sind, sind bei den Islamisten jene Räume, in denen sie, auch innerhalb demokratischer Staaten, ihre extremistischen Vorstellungen von Gesellschaft und Zusammenleben zur alltäglichen Realität machen wollen oder bereits gemacht haben. Etwa wenn Frauen, mitten in der Bundesrepublik Deutschland, völlig entrechtet werden und die Prinzipien des Grundgesetzes außer Kraft gesetzt werden. Oder wenn aus dem islamistischen Umfeld heraus mit Drohungen oder Gewalttaten gegen Homosexuelle vorgegangen wird. Zuletzt sorgten entsprechende Vorgänge in Hamburg bundesweit für eine gewisse Aufmerksamkeit: Hier kam es im direkten räumlichen Umfeld einer als besonders radikal eingestuften Großmoschee zu massiven Übergriffen gegen als homosexuell erkennbare Personen und gegen entsprechende Einrichtungen wie Beratungszentren und Bars.

Eine weitere ideologische Übereinstimmung wird in dem Beitrag ebenfalls thematisiert: „Anschlussfähig sind auch wirtschaftspolitische Vorstellungen. In ihrer praktischen Arbeit versucht die NPD, sich als Mittelstandspartei zu profilieren. Dabei propagiert sie einen nationalen Kapitalismus gegen globalen Warenverkehr und Finanzmärkte oder im NS-Jargon: „schaffendes“, nicht „raffendes“ Kapital. So trifft man sich in einer Front reaktionärer Sozialkritik, denn ausgehend vom religiösen Zinsverbot, verbreitet auch die islamistische Propaganda das Bild einer spezifisch islamischen Wertschöpfung, deren Dynamik traditionelle Eigentumsformen und kulturelle Identitäten nicht antaste. Die klassische antisemitische Identifikation des Kapitals mit „den Juden“ gehört in der Agitation beider Lager zur Routine.“ So ist der Artikel ein lesenswerter Beitrag zu einer Debatte, die zu lange vernachlässigt wurde und kann zu einem wichtigen Bestandteil werden, diese Debatte zu versachlichen.

Wie wichtig diese Debatte ist, zeigen die Festnahmen dreier deutscher Islamisten am 5.9.2007 in Oberschledorn, die große Sprengstoffdepots angelegt hatten. In Pakistan hatten sie sich offenbar fanatisieren lassen, so wie es auch rechtsextreme Organisationen mit ihrem Nachwuchs tun. Kein ungefährliches Gemisch - operierend nach ähnlichen Methoden.

 

Jörg Fischer-Aharon

 

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Kommentare

1 Tomtom Tomtom

Datum: 19.09.2012 - 16:45

Herr Jörg Fischer Ahron,

auch Israel ist gegen Überfremdung, denn Israel ist die "nationale Heimat" aller Juden, und schiebt z.b. in jüngster Zeit alle eingewanderten Sudanesen ab. Wenn Sie alle Menschen, die gegen Überfremdung sind, gleich zu Nazis machen, gäbe es sehr viele Nazis auf der Welt. Peu a peu würden dann alle Juden und Europäer Nazis sein. Ich weiss aber nicht, was solche Identifikationen bringen sollen.

 

Was die Werte- und Vorstellungsidentät beider Gruppen betrifft, so wird sich noch viel mehr finden lassen, das aber ist alles nicht kriminell. Entscheidend und einend ist vor allem ihre gemeinsame Überzeugung, die Juden müsssen weg, und zwar mit aller Gewalt. Diese Überzeugung, dieser Glaube ist es, der der Feind ist. Es gehst dabei nicht darum, daß jeden besonders wertvolle Menschen sind, sondern daß es keine politisch akzeptable Zielvorstellung sein darf, Menschengruppen oder Völker ausrotten zu wolllen und dies auch noch zu proklamieren. 

2 Jörg Fischer-Aharon Jörg Fischer-Aharon

Datum: 19.09.2012 - 20:20

Hallo Tomtom,

Israel defeniert sich als jüdischer Staat - damit ist er multikulturell und multiethnisch - neben den aschkenasischen (europäischen) und sephardischen (orientalischen) Juden lebt in Israel beispielsweise auch eine stetig wachsende Gemeinschaft äthiopischer Juden, daneben sind die arabischen und drusischen Israelis integraler Bestandteil der Gesellschaft - einschließlich bezüglich der israelischen Streitkräfte.

Juden haben - unabhängig ihrer ethnischen Wurzeln - ein Recht auf Einwanderung nach Israel mit sofortigem Erhalt der Staatsbürgerschaft. Daneben orientiert sich Israel hinsichtlich der Einwanderung an internationale Standarts. Der Punkt bei den Sudanesen war nicht, das sie Einwanderer sind, sondern das sie illegal eingewandtert sind. Daneben, nur als Beispiel, gibt es keinen Staat, der, gemessen an seiner Fläche und Bevölkerungszahl, so viele vietnamesische Flüchtlinge aufgenommen hat - die ebenfalls heute ein Teil der israelischen Gesellschaft sind.

Kein spehardischer Israeli fühlt sich "überfremdet" durch den anhaltenden Zuzug aschkenasischer Juden aus Europa und Nord- und Latainamerika, und natürlich auch nicht umgekehrt - oder in Hinblick auf die noch anhaltende, kurz vor ihrem Abschluß stehende Heimholung der äthiopischen Juden. 

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