Erstmals nach der Shoah:

Vier orthodoxe Rabbiner in Köln ordiniert

Nicht nur für die vier jungen Rabbiner war es ein besonderer Augenblick: Begleitet vom feierlichen Gesang von Avy Schreiber zogen Daniel Fabian, Jonathan Konits, Reuven Konnik und Naftoly Surovtsev in die Synagoge ein. Der prächtige Innenraum des neoromantischen Baus in der Roonstraße war festlich beleuchtet. Auch die Mitglieder der Kölner Gemeinde und die zahlreichen hochrangigen Vertreter der jüdischen Gemeinschaft spürten den besonderen Moment. Zum dritten Mal fand in Deutschland eine orthodoxe Rabbinerordination statt, zum ersten Mal seit der Shoa in Köln.

„Auf der großen, stolzen, mächtigen Menorah des Judentums entzünden wir heute gemeinsam vier neue Kerzen", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Dieter Graumann in seiner Ansprache. Das Judentum sei eine „spirituelle Kraftquelle ganz besonderer Art". Die neuen Rabbiner könnten genau dies vermitteln. Dr. Graumann drückte seine ganzbesondere Wertschätzung für die Arbeit der Rabbiner in den jüdischen Gemeinden aus.

Zugleich ging er auf die aktuellen Ereignisse ein. Der niederträchtige Angriff auf Rabbiner Daniel Alter, im Beisein seiner Tochter, habe ihn schockiert, sagte Dr. Graumann. Dennoch betonte er: „Jüdisches Leben hier ist sicher – und muss gesichert werden." Gerade jetzt solle entschlossen und mit Leidenschaft eine neue jüdische Zukunft aufgebaut werden. Daher geltees auch, gegen ein Verbot der Beschneidung vehement vorzugehen. Jüdisches und muslimisches Leben müsse in Deutschland willkommen bleiben.

Nach Dr. Graumann ergriff Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle das Wort. Er betonte in seiner Ansprache „Wir wollen blühendes jüdisches Leben in Deutschland" und sah in der Ordinationsfeier ein „starkes Zeichen für gedeihendes jüdisches Leben in Deutschland". Auch er zeigte sich empört über den Angriff auf Rabbiner Alter und bezeugte, dass der deutsche Rechtsstaat wird „mit ganzer Härte gegen antisemitische, fremdenfeindliche und rechtsradikale Straftaten" vorgehen wird. Auf die Debatte um die Beschneidung Bezug nehmend bestätigte er dass es „hierzulande möglich sein muss, jüdische Traditionen ohne Rechtsunsicherheit zu leben".

Ronald Lauder erinnerte in seiner Rede daran, dass Deutschland einst ein führendes Zentrum jüdischen Lehrens war. Die Ordination von Absolventen nannte er dabei einen weiteren Meilenstein in einer deutsch-jüdischen Renaissance, an die bis vor kurzem noch niemand zu glauben gewagt hat. Auch er kam in seiner Ansprache auf die Diskussion um Beschneidung zusprechen. Vorurteile dürfen nicht zu einer Begrenzung religiöser Praktiken führen, so Lauder.

Vier Jahre lang haben die Rabbiner am Rabbinerseminar studiert. Seit seiner Wiedereröffnung 2009 durch den Zentralrat der Juden in Deutschland und der Ronald S. Lauder Foundation hat sich das Rabbinerseminar zu einer führenden Institution in Mitteleuropa entwickelt. Ziel der Einrichtung ist es, eine neue Generation orthodoxer Rabbiner auf die Arbeit in den gewachsenen jüdischen Gemeinden in Deutschland vorzubereiten. Die Mitgliederzahlen der hiesigen jüdischen Gemeinden setzen sich zu 90 Prozent aus osteuropäischen Juden zusammen, die meisten davon sind Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion. Das Rabbinerseminar zu Berlin richtet sich daher vor allem an junge jüdische Männer mit Migrationshintergrund, die in Deutschland ihrenSchul- bzw. Hochschulabschluss erlangt haben. Die vier in Köln ordinierten Rabbiner sind alle im Ausland geboren, aber in Deutschland aufgewachsen.

Aus den Händen von Dayan Ehrentreu, Rektor des Rabbinerseminars zu Berlin, erhielten die Ordinierten ihr Zertifikat, in dem es heißt: „Auf jemanden wie ihn kann man sich in der Lehre und Entscheidung des Gesetzes verlassen. Joreh, joreh keDat schel Tora, Er wird entsprechend der Tora richten… Ich bin mir seiner G-ttesfürchtigkeit … gewiss."

 

Zentralrat der Juden in Deutschland

 

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