
Nachtrag zu Jom Jerushalayim:
Betet für den Frieden Jerusalems
von Moshe Kempinski., Arutz Sheva
Die ersten Rundfunkberichte von der Front in Jerusalem erreichten uns an jenem heißen Junitag 1967.
Der Reporter hatte schwer zu schnaufen, während er zusammen mit den Soldaten rannte, und sie gerade das Löwentor, eines der Tore zur Altstadt, erreichten.
Die feindlichen Scharfschützen im Hintergrund schienen weder den Reporter noch die Soldaten zu beunruhigen. Denn man hörte keine ängstlichen Rufe wie “Geht in Deckung” oder “Haltet euch nahe den Häuserwänden”.
Was man statt dessen hörte, war die Begeisterung, mit der ein Soldat den anderen fragte, “Wo ist es?” und “Welcher Weg führt zum Kotel?” (der Westmauer)”. Man kriegte die Entschlossenheit mit, als die Soldaten rannten, eifrig bestrebt, ein bestimmtes “Wohin” zu erreichen.
Und dann verkündete General Motta Gur über sein Radio die Worte, auf die seit 2000 Jahren gewartet worden war:
“Har Habayit BeYadeinu – der Tempelberg ist in unseren Händen… Ich wiederhole: Der Tempelberg ist in unseren Händen”.
Selbst wenn man nur einen flüchtigen und objektiven Blick auf diese jüngste Geschichte des Volkes Israel und die Wiedergeburt des jüdischen Staatswesens wirft, kann man nicht umhin, ihre Ähnlichkeit mit den klassischen biblischen Texten wahrzunehmen.
Ein unterdrücktes, zerstreutes und verleumdetes Volk kehrt aus der ganzen Welt in seine alte Heimat zurück. Die kleine und bedrängte Nation kämpft erfolgreich zahlreiche angreifende Nationen zurück, die alle die Absicht haben, sie zu zerstören. Und dann wird eine zweitausend Jahre alte Sehnsucht nach der Rückkehr in ihr geliebtes Jerusalem und den Tempelberg innerhalb von sechs Tagen wunderbar erfüllt.
Nach jüdischer Tradition ist der Tempelberg der heiligste Ort im gesamten Universum; der Ort, von dem aus die Welt in ihre gegenwärtige Gestalt gebracht wurde und der Ort, an dem Gott die Erde sammelte, aus der Er den Menschen schuf.
Die Torah berichtet uns, dass Gott bestimmt hat, dass seine göttliche Gegenwart an diesem Ort für immer weilen soll; und sie berichtet uns, dass an diesem Ort zwei jüdische Tempel gebaut wurden. Die Prophezeiungen der Bibel sagen, dass auch der dritte Tempel dort sein wird; und dieser wird schließlich zu einen ewigen Haus des Gebets für alle Nationen werden (Jesaja 1,2-3; Hesekiel 37, 26-28; 40-48; Michah 4, 1-2; Haggai 2, 7-9; und Sacharja 6, 12-15; 14-20).
General Motta Gurs Verkündigung, dass “der Tempelberg in unseren Händen ist”, hat die Seele jedes jüdischen Menschen zu dieser Zeit bewegt
Die Welt jedoch, und insbesondere die muslimische Welt, hat diese Realität immer noch nicht verdaut und akzeptiert. Auch diese Reaktion ist in der Bibel beschrieben. Denn Sacharja verkündet, dass viele der Nationen bis zuletzt gegen die Bestimmung dieser Stadt kämpfen werden – was bedauerlich ist.
“Siehe, ich setze Jerusalem zu einer Taumelschale für all die Völker ringsum, wenn sie Juda und Jerusalem belagern. Und an jenem Tag werde ich Jerusalem zu einem sehr schweren Stein machen für alle Völker: alle, die ihn weg heben wollen, werden sich ganz gewiss daran verwunden, auch wenn alle Nationen der Erde sich wider dasselbe versammeln.“ (Sacharja 12, 2-3)
Und doch ist es zuerst das jüdische Volk, bei dem die Sehnsucht nach diesem heiligen Ort wieder erweckt werden muss. Es ist wahr, dass General Motta Gurs Mitteilung, dass “der Tempelberg in unseren Händen ist”, die Seele jedes jüdischen Menschen zu dieser Zeit ergriffen hat. Doch im Verlauf der Zeit ist der Klang dieser Verkündigung schwächer geworden, bis er zuletzt nur noch ein Flüstern war.
Es war wieder einmal das selbe alte misshandeltes-Kind-Syndrom, das schon die jüdische Existenz im Exil geprägt hat, das dazu führte, dass der Tempelberg rasch aufgegeben und in die Hände des moslemischen Waqf gelegt wurde. Im Kern besteht dieses Verhalten darin, dass das Opfer einer Beschimpfung und Verfolgung zu glauben anfängt, dass es selbst für die Misshandlung verantwortlich sei. Das Ergebnis dieses fehlgeleiteten Denkens ist, dass das Opfer alles tun wird, um seine eigene Identität und seinen eigenen einzigartigen Charakter herabzusetzen.
Das war der Grund dafür, dass es dem General Moshe Dayan wichtig erschien, die Schlüssel des Tempelberges den Moslems zu überreichen; in dem Bemühen zu beweisen, dass die israelischen Menschen in Wirklichkeit “freundlich und gut“ sind. So bleibt Motta Gurs Verkündung als etwas Fernes und Schmerzliches in Erinnerung.
Doch die Erinnerung muss nicht ausgelöscht werden. Die Sehnsucht nach dem Ort des Hauses Gottes erklingt weiterhin in den Herzen vieler. Der Berg muss nicht durch Krieg befreit werden; und der Tempel wird bestimmt erbaut werden, dann wenn die Welt dafür bereit ist.
Denn es wird dann geschehen, wenn „die Erkenntnis Gottes die Erde bedeckt, so wie die Wasser die Meere“ (Jesaja 11) und alle Menschen werden dann am Aufbau des Tempels beteiligt sein. Unsere Sehnsucht wird das Entfalten dieser Ereignisse gewährleisten.
Im Psalm 122 schreibt König David: “Ich freute mich, als sie zu mir sagten: ‘Lasst uns zum Haus den Herrn hinaufgehen‘. Unsere Füße standen in deinen Toren, Jerusalem“ (Psalm 122, 1-2). Hätte dies nicht heißen sollen: „Ich freute mich, als wir zum Haus Gottes gingen?“ Die Antwort ist, dass König David nicht bestimmt war, den Tempel zu erbauen, aber er freute sich nichtsdestoweniger, als er von der zunehmend wachsenden Sehnsucht derer hörte, die ausriefen: „Lasst uns zum Haus des Herrn gehen“.
Diese Sehnsucht ist das Fundament, auf dem die prophetische Bestimmung gebaut und erfüllt wird.
Dies erklärt ein anderer Vers in dem gleichen Psalm;
„Betet für den Frieden Jerusalems“. (Psalm 122,6)
Das hebräische Wort, das in diesem Vers für Gebet verwendet wird, ist einzigartig. ‘Shaalu‘ stammt von der Wurzel „zu erbitten“.
Mit anderen Worten bedeutet dies “Erbittet und ersehnt und wünscht den Frieden Jerusalems“. Das hebräische Wort für Frieden ist Jerusalem. Die Wurzel dieses Wortes bedeutet ein Ganzsein und Vollständigsein (schalem). Jerusalem kann nur dann ein wahres Gefäß des Friedens sein, wenn es ein Gefäß bleibt, das unzerbrochen und vollständig ist.
Das ist das Grundlegende der Leidenschaft zehntausender Junger und Alter, die die Straßen Jerusalems zur Feier des Yom Yerushalayim Tages füllen. Es ist diese Sehnsucht, die in ihren Gebeten und ihren Liedern hörbar ist.
Dies ist die Basis all derer auf der ganzen Welt, die sich danach sehen, dass der Vers erfüllt wird „Shaulu Shlom Yerushalayim, Betet für den Frieden Jerusalems“.
Übersetzt von Renate für unseren Partnerblog Aro1.com
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