EU-Erfolge ohne Ende:

Italien, das nächste Spanien?

Im Vergleich zur sogenannten Euro-”Rettung” war der Zusammenbruch des Kommunismus ein Spaziergang: Man wachte morgens auf, sah putzige Autos auf der Straße und kam nicht an den Geldautomaten, weil die Schlange zu lang war.

von Gerrit Liskow

Nun, der aktuelle Euro-Bank-Run scheint etwas anderer Art zu sein, als der unserer Brüder und Schwestern aus den fünf neuen Bundeslnändern. Spanien hat seine Finanzsspritze bekommen und während solche Aufbaupräparate sonst für sechs bis acht Wochen reichten, verpufft deren Wirkung nun bereits nach einem einzigen Tag. Der Dax ist jedenfalls wieder da, wo er am letzten Freitag seinen Absturz aufgehört hatte.

Griechenland hat bereits angekündigt, man wolle jetzt auch nach dem spanischen Modell versorgt werden; drei mal täglich vor den Mahlzeiten eine Finanzspritze von der Euro-Zone, sonst knallt´s!

Geld ja, Reformen, nein, so denkt man sich das in Athen (wo am Sonntag gewählt werden wird).

Recht schlau von Athen, heißt es doch in der EU nicht umsonst: Fordern und fördern. Und diese Aufgabenteilung funktioniert aus griechischer Sicht ganz hervorragend: Athen fordert, Bruxelles fördert. So kann das Leben weitergehen, bis der letzte Bankautomat seinen letzten Euro ausgespuckt hat.

Oder kommt der Regierung in Athen vielleicht ein anderer Mitgleidsstaat der Euro-Zone mit älteren Rechten in die Quere? Die Republik Italien wird ja seit heute wieder als heißer Kandidat für den nächsten Staatsbankrott gehandelt. Frau Lagarde vom IWF redet wie ein Horoskop, beschwört “Kräfte”, “Energien” und die Esoterik, aber Top-Ökonom George Soros nennt Ross und Reiter: Der Euro-Zone bleiben noch drei Monate, um sich zusammenzuraufen.

Ein Schelm, wer das für keine gute Nachricht hält. Denn jetzt ist erstmal Fußball und danach brechen ja in Pan-Euronien die Sommerferien aus. Und bevor unsere Brüsseler Beamtendiktatur wieder an ihre Schreibtische zurückgekehrt ist, und auch nur daran denkt, das zu machen, was man andernorts “arbeiten” nennt, ist mindestens September – und dann sind die drei Monate auch schon abgelaufen, und nichts ist geschehen! Und das ist vielleicht noch das Beste, was uns passieren kann, verehrte Leserinnen und Lesern.

Denn was passiert, wenn man die Wirtschaft den Politikern überlässt, haben wir nun in den mindestens vier Jahren seit der Lehman-Pleite zur genüge miterleben dürfen. Und ich muss sagen: Wenn das so weitergeht, möchte ich mir dieses Katastrophen-B-Movie made in Poverty Row, Bruxelles und würdig eines Ed Wood nicht zuende ansehen; Filmtitel wie “Angriff der Killertomaten” bekommen einen ganz neuen Sinn, wenn man ihn auf die Euro-Zone bezieht, aber ich möchte jetzt lieber mein Geld zurück.

Nachdem nun auch im bel paese die Risikoaufschläge einen Mondflug unternehmen, hat EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso seine Forderung nach einer europäischen Bankenunion bekräftigt, um nach der Methode “allen alles” die letzten noch verbliebenen, scheinbar robusten Nationalökonomien an den Schulden der weniger erfolgreich wirtschaftenden Staaten zu beteiligen.

Die Banken der EU sollten von einer grenzüberschreitenden Behörde beaufsichtigt werden, sagte Barroso der "Financial Times", und widerholte damit seine wichtigste Forderung: Die nach einem komfortablen Altersruhesitz für sich und die Seinen, in jener Seniorenresidenz Euro-Gate, in der eines Tages auch Mario Monti, der Allerherausragendste Herr Rajoy und der dicke Grieche ein gern gesehner Gast sein werden; außer Mutti und ihrem Side-kick, dem Fleisch gewordenen Sparzwang vom Range eines Bundesministers.

Vergesst Dürrenmatts “Physiker” – hier sind “Die Politiker”!

Kurzes Zwischenfazit: Die vierte und die drittgrößte Nationalökonomie der Euro-Zone sind insolvent und bekommen nun von der EU Geld dafür, dass sie sich noch mehr Geld leihen können, denn auf nichts anderes läuft der EU-Struktrumechanismus heraus. Versuchen Sie swas mal bei Ihrer Sparkasse, verehrte Leserinnen und Leser, aber sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Nun stellt sich die Frage: Wer ist als nächstes dran? Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone vieleicht? Kleiner Tipp: Fängt mit “F” an, und die Hauptstadt ist Paris. Die sogenannten Top-Ökonomen schielen ja bereits seit ein paar Wochen auf die Risikoaufschläge, die für französische Anleihen kassiert werden, und Geld kann Monsieur Hollande gut gebrauchen, damit er über seinen Wählerinnen und Wählern sein Füllhorn ausgießen kann.

Ob, und wenn ja, wie die “Hilfsleistungen” per Strukturmechanismus jemals zurückgezahlt werden müssen, scheint an keiner Stelle ein Bestandteil der Absprache zu sein: Natürlich würde keiner eine Erstattung dieser Darlehen ausschlagen, aber man rechnet auch nicht wirklich damit; es war eben ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.

Und die kleineren Volkswirtschaften, Irland, Zypern, Portugal, sind selbstverständlich bereits unter die Räder gekommen. Jene kleineren Staaten, zu denen auch Griechenland zählen würde, aber irgendwie haben die Brüsseler Geberländer und ihre Athener Mündel einen echten Narren aneinander gefressen. Sie agieren nun den Konflikt, der schon die ganze Euro-Zone in Schieflage bringt, auf einem billigen Stellvertreter aus: “Die Griechen sind schuld”, hat der deutsche Volksmund gelernt.

Keine Sorge, dass uns die Wirtschaftsnachrichten ausgehen: Wenn die GIPS-Pleiten durch sind, steht bereits Osteuropa vor der Tür.

Was nun die Top-Ökonomen angeht, so warnen sie eindringlich vor dem Auseinanderbrechen der Euro-Zone, und malen ein Schreckgespenst nach dem nächsten an die Wand. Insebesondere in Deutschland ist von dieser atemberaubenden Gattung durchweg nur Schreckliches zu hören, was die Folgen des Auseinanderbrechens der Euro-Zone für Deutschland anbelangt.

Was ganz nebenbei die Frage aufwirft: Wie wird man eigentlich Top-Ökonom (m/w)? Ist das ein staatlich geregelter Lehrgang? Ein Aufbaustudium? Und welche Uni bietet den an, den Bachelor in Top-Ökonomie? Gibt es vielleicht auch einen Abschluss in Tip-Top-Ökonomie? Schade, warum nicht?

Der Export-Knacks und das Aldi-Prinzip

Allenthalben ist unter Top-Ökonomen vom Einbrechen der Exporte und anschließendem kollektiven Exitus die Rede, wenn es um die Rückkehr zum alten Arrangement, der European Currency Union, geht. Nun, dieser Exitus ist zu Zeiten der ECU nicht passiert, und er wird heute nicht passieren. Mir fallen zwei einfache Gründe ein, und es mag noch mehr geben:
Erstens: Welchen Sinn macht es, Exporte mit Krediten zu finanzieren? Noch dazu mit Geld, das man aller Wahrscheinlichkeit niemals wiedersehen wird? Das ist wie ein Kiosk-Betreiber, der auf der Straße Zehner verteilt, damit die Leute bei ihm einkaufen gehen.

Zweitens: Der Erfolg des “Exportweltmeisters” ist ja schön und gut – basiert aber nach seinen Propagandisten allein darauf, dass deutsche Exporte möglichst billig sein müssen, um wirtschatlich bestehen zu können.

Dazu ist wiederum zweierlei zu sagen: Die relative Billigkeit deutscher Exporte erschwert es anderen Mitgliedsstaaten der Euro-Zone, außerhalb von Wirschafts-Nischen – Sommer, Sonne, Café-Maschinen – zu existieren. Die Stärke des einen ist die Schwäche aller anderen, so ist das in funktionierenden Gemeinschaften nun mal; wer sich in Gemeinschaft begibt, kommt darin um, sagt der Engländer.

Und zum anderen scheint sich im relativen Erfolg der deutschen Exportwirtschaft nichts weiter als ein absolutes Versagen ihres Marketings anzudeuten. Denn wer sich darauf einlässt, sich so billig wie möglich zu verkaufen, hat irgendetwas grundsätzlich falsch verstanden: Es muss doch im Leben darum gehen, so teuer wie möglich zu sein, und nicht so billig wie möglich. Wer sich billig verkauft, verkauft sich vielleicht nicht subjektiv, aber objektiv, wahrscheinlich unter Wert. Genau das macht dieser vollmundige Exportweltmeister qua seiner Außenwirtschaft nun freiwillig-unfreiwillig schon ziemlich lange.

Und dieses Discounter-Prinzip scheint zum alleinigen Funktionsprinzip der deutschen Außenwirtschaft erhoben worden zu sein. Mir ist nicht bekannt, dass die Nachfrage nach einigen der üblichen deutschen Exportgüter (Ausstattungen und Maschinen) besonders preiselatisch wäre; entweder man investiert in neue Anlagen, oder nicht.

Was einem passieren kann, wenn man versucht, sich als der “Billigste der Billigen” am Markt über Wasser zu halten, hat gerade erst die Familie Schlecker mit ihren Drogerifilalen demonstriert; ob das ein Beispiel ist, dass im Maschinenbau schule machen sollte, möchte ich bezweifeln.

Klar, wenn man sich in den einschlägigen Statistiken am liebsten mit der VR China vergleicht, geht es nicht anders. Aber dann müsst Ihr den Deutschinnen und Deutschen auch “vermitteln”, was das Gute daran sein soll, dass man frittierte Hühnerfüsse isst, lieber Deutscher Industrie- und Handelstag.

(Es heißt ja, die Hühnerfüße wandern jetzt schon in so manche “gesunde” Geflügel-Wurst. Unfrittiert, aber gewaschen, versteht sich).

Also, was hat die Euro-Zone für die deutsche Wirtschaft getan? Sie hat in einigen peripheren Staaten lästige Konkurrenz für deutsche Exportbranchen minimiert, und ein paar Nationalökonomien ruiniert, für die Berlin nun per Strukturmechanismus eine Milliarde nach der nächsten raushauen wird – ohne irgendeine realistische Aussicht darauf, dieses Geld jemals wiederzusehen.

Diese “politisch” gewollte Desindustrialisierung der Euro-Zone erinnert ein wenig an die berühmt berüchtigte Abwicklung der DDR, und ihr Ergebnis könnte vergleichbar sein: “blühende Landschaften” nicht nur in Halle, Görlitz oder Wismar, sondern auch in Valencia, Bologna und Porto, hurra! Da mag der Frohsinn wieder keinen Anfang finden.

Und eine Transferwirtschaft von dann nicht mehr nationalen, sondern kontinentalen Ausmaßen. Im Ruhrgebiet werden die Menschen einst bis in ein biblisches Alter arbeiten gehen (Rente mit 120!), um die Euro-Zone unter deutscher Führung zu alimentieren; ihre Brüder und Schwester im EU-mezzo-giorno zwischen Herford und Bordeaux, Helgoland und Kreta, vor allem aber in den Zentralen der Brüsseler Beamtendiktatur.


Kommentare

1 Wolf Wolf

Datum: 13.06.2012 - 08:24

Herr Liskow,

hier stimme ich ihnen in großen teilen zu.

Endlich mal ein Bericht von Ihnen in welchem nicht ausschliesslich über uns Deutsche gehetzt wird.

Danke

2 Harald Harald

Datum: 13.06.2012 - 13:15

Uups, da ist ja Großmutter wieder –

doch was -  oh dräuend Ungemach - hängt da für eine räudige Rute aus ihrem Bett?

Ah, sist der gute Wolf, das Kreide-Lamm, dem alle Hetze fremd ist.

Deshalb hier einige feine Bonmots aus seinem Schatzkästlein:

" Anstatt andere mit polemik zu überschütten und damit die Kluft immer weiter aufzureissen, sollte sich dieser Herr liskow mal Gedanken darüber machen ob ein anderer Ton oder etwas weniger beleidigende polemik für einen Dialog besser wäre, als dieses Scheisshauslektürengeschreibe "

" Herr Liskow zeigt in seinem Geschreibe sehr deutlich dass er mit dieser Art mehr Nazi ist als Goebbels oder sein Propagandaapparat es je hätten sein können "

" Und da wir sowas nicht mehr brauchen, ab in die Mülltonne mit dem Liskow, Deckel drauf und Ruhe ist im Karton ;-)

Ach und den Timm könnt ihr mit seinem Geistlosen Kommentar auch direkt in die gleiche Tonne kloppen ;-) "

 

Man mag sich Geißlein Liskows Glück gar nicht vorstellen, nunmehr Gnade vor diesem Stolz Deutschlands gefunden zu haben: dem supervacuus haOlamis

3 Wolf Wolf

Datum: 13.06.2012 - 14:21

ach Harald ....................... könnte man sie doch nur ernst nehmen.

Ich hoffe Sie nehmen Ihre Medikamente regelmässig..........

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