Nach vier Jahren `Euro-Rettung´: Nachtrag zum Friedensnobelpreis für die EU

Nach vier Jahren `Euro-Rettung´:

Nachtrag zum Friedensnobelpreis für die EU




Nach vier Jahren Euro-”Rettung” und nachdem ein Viertel bis die Hälfte der spanischen Bevölkerung für den dortigen Arbeitsmarkt überflüssig gemacht worden sind, findet das Nobelpreis-Kommittee, die EU habe den “Friedens”-Nobelpreis verdient.

Wenn das, was die Brüsseler Beamtendiktatur macht, Frieden sein soll, was wäre dann wohl Krieg?
In Spanien haussiert die Krise in stratossphärischen Höhen: offizielle 25% Arbeitslosigkeit und noch mal so viele “Unterbeschäftigte” dazu entsprechen in deutschen Proportionen einem Arbeitslosentum von knapp zehn Millionen; bei Menschen unter 25 Jahren liegt die offizielle spanische Quote bei 53%.

Das klingt doch nach einem vollen gesellschaftlichen Erfolg, der unbedingt einen Nobelpreis verdient - oder etwa nicht, verehrte Leserinnen und Leser?

Und dabei ist sogar noch die Kleinigkeit unter den Tisch gefallen, dass es Portugal und Zypern, Irland und Ungarn in der offiziellen Wirtschaftsstatistik nicht viel besser als Spanien geht– und es nur noch eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis auch Italien und Frankreich an der Reihe sind.

Und dann wären da noch jene Menschen, die bereits ums Leben kamen: die Bankangestellten, die ein national-sozialistischer Mob vor zwei Jahren in einer Athener Bankfiliale verbrennen ließ, um seine Proteste gleich zu Beginn hinter die entsprechenden “antikapitalistischen” Vorzeichen zu stellen.

Angesichts dieser sozialen “Errungenschaften”, dieses fänomenalen “Aufbaus”, stellt sich die Frage, ob die Leute im Nobelpreis-Kommittee von Oslo vielleicht Drogen nehmen; wenn ja, dann sind es auf jeden Fall die falschen.
Übrigens hat dieses Kommittee sich schon zu oft in seinem Naturell gezeigt, indem es bevorzugt solche Preisträger nominiert hat, die seinen ausgemachten Faible für Politiken teilen, die mit humanistischen, rechtsstaatlichen und insbesondere demokratischen Ansprüchen nur dem Namen nach, und in der Sache also gar nicht, vereinbar sind.

Bemerkenswert ist allein der Akklamations-Furor, mit dem die Nobelpreis-Entscheidung insbesondere in Deutschland begrüßt worden ist. Fand sich doch die in Kreisen des uffjeklärten und “politisierten”, ergo: “linken” deutschen Kleinbürgertums gehegte Wahnvorstellung, äh: “Weltanschaung” bestätigt, die EU wäre das Beste seit geschnittenem Brot – trotz oder gerade wegen der demokratischen Defizite, die die Brüsseler Ministerratsdiktatur aufzuweisen hat (von ihren ökonomischen Mankos ganz zu schweigen).

Und das mit den demokratischen Defiziten ist wahr und wahrhaftig noch diplomatisch ausgedrückt, denn durch ein Parlament mit demokratischer Dignität ist nichts von dem gedeckt, was in der Mammut-Behörde am Männeken Piss entschieden wird.

Angesichts dieses Befundes scheint momentan die britische EU-Politik die einzige zu sein, die den Namen verdient, zumal sie auch solchen Kriterien standhält, die zurecht einen Anspruch auf einen sinnvollen Bezug zur Wirklichkeit erheben können; auf einen Realitätsbezug, der sich empirisch begründen lässt.

Und zwar durch Rekurs auf eine Empirie außerhalb des mit sich selbst kurzgeschlossenen “politischen” Wahnsystems der ideologischer Kostgänger des Euro-Wahns aus jener “Mitte der Gesellschaft”, die bis aufs Messer dazu entschlossen scheint, ihre Besitzstände über unstete Zeiten zu retten – und zwar auf Kosten anderer, versteht sich, denn auf wessen Kosten denn sonst? So denkt man sich das zumindest bei der Mövenpick-Partei und deren Mehrheitsbeschaffer und Kanzlerwahlverein, der CDU.
Dem Anspruch nach ist das christlich und liberal. Entsprechend signalisierte die Regierung in Downing Street zu Anfang der Woche, man werde für die selbstreferentiellen “politischen” Projektionen der Frau Merkel sowie der Herren Schäuble, Westerwelle und anderer sogenannter “Europäer” nicht länger zur Verfügung stehen – und legte die Zusammenarbeit mit bestimmten EU-Behörden auf Eis.

Eine politisch kluge Entscheidung der Regierung Cameron, die aus den Reihen der CSU übigens nur mit Appellen an den europäischen Kadavergehorsam und weiterem krachledernesn Biertischgerülpse quittiert wurde – vermutlich, weil eine sinnvolle Vorstellung von gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit in dieser “Partei” gewordenen Stammtischrunde gar nicht existiert.

Wie es das britische Beispiel zeigt, lässt sich politische Handlungsfähigkeit in angeblich ach so “alternativlosen” Zeiten viel leichter herstellen und handhaben, als es die deutsche EU-Politik ihre ideologischen Kostgänger bei der staatlichen und halbstaatlichen deutschen Jubelpresse gerne glauben machen möchte.

Aber das versteht man vieleicht nur dann, wenn man den Kopf nicht so voller Sauerkraut hat, wie jener deutsche Mittelstand, der gerne dafür bezahlt, sich von seinem “politischen” Personal nach Strich und Faden hinters Licht führen zu lassen, mithilfe einer staatlich-halbstaatlichen Medienszene, in der der Pluralismus der Einheitsmeinung regiert und die man über die GEZ finanziert.

Immerhin ist die realtive Stärke der chrsitlich-liberalen Polit-Posse nur einer relativen Schwäche der Konkurrenz verdankt. Deren Profil osziliert zwischen peinlich und pathetisch, und vor einem anspruchsvollen Publikum hätte es jemand wie Peer Steinbrück, Lichtgestalt der deutschen Sozialdemokratie, vermutlich nicht mal zum Filialleiter bei der Post geschafft.

Peer Steinbrück, daran seien alle unsere sporadischen Leserinnen und Lesern erinnert, ist dieser uffjescheuchte Kleinbürger mit dem Charme einer Einkommenssteuererklärung, den die SPD als Kanzler für Deutschland empfiehlt – “für Deutschland in Europa”, wie es bei der CDU immer heißt (und nicht etwa für Deutschland in Afrika).

Ein verbiestert und muffig guckender Klassenkämpfer mit jeder Menge Stallgeruch, der an guten Tagen aussieht, als ob ihm die Zunge feucht würde, wenn er sich in süßen Tagträumen ausmalt, wie es wohl wäre, den “Schweizer Banken” die deutsche Steuerfahndung auf den Hals zu schicken, um “denen” endlich ihr Handwerk zu legen.
Über Peer Steinbrücks schlechte Tage möchte ich mir lieber keine Gedanken machen. Ich glaube aber, er hat eine ganze Menge davon.
Apropos: Geich nach Bekanntwerden seiner Kür haben böse Zungen seinen Nachnamen übrigens in “Steinlaus” verwandelt; in memoriam einer unsterblichen Idee des Loriots. Was Sie gelegentlich mal googeln könnten, wenn Sie nicht wissen, wer oder was die Steinlaus ist, oder Loriot, liebe Leserinnen und Leser.
Doch zurück zu den wichtigen Dingen. Es sieht so aus, als wäre die EU-Party schon lange zuende – noch zwei, drei Jahre “europäische Integration” und von Südeuropa existieren nur noch rauchende Trümmer - aber wer soll dann in Deutschland einkaufen gehen?

Und wer bringt die Dialektik von Angebot und Nachfrage jetzt mal schonend den Deutschinnen und Deutschen bei – ohne, dass die Damen- und Herrenmenschen als uffjescheuchte Wutbürger im Süden einfallen, um von “den Griechen” (und allen anderen) ihr sogenanntes Geld zurück zu verlangen?

Immerhin hat das, was in der EUdSSR gerade passiert, seine historische Präzedenz in den diversen Krisen von “Tequila” (Mexiko) über “Vodka” (Russland) bis Argentinien (2001) – man hätte es also besser wissen können. Vorausgesetzt, man hätte den Kopf zum Denken gebraucht.

Apropos Argentinien: Dort hat sich zwei Wochen vor dem Exitus der Ökonomie doch tatsächlich der Wirtschaftsminister ins Fernsehen gesetzt und öffentlich behauptet, man stünde pekuniär so fest und zuverlässig wie die Schweizer Banken – kurz danach sah es in Buenos Aires so aus, wie dieser Tage in Athen; das hat ihm wohl keiner mehr glauben wollen.

Selbst wenn nichts daran überraschend ist, bleibt es bemerkenswert, mit welcher Inbrunst, mit welcher Lust an der Verarschung, mit welcher Hingabe an die Dummheit den Durchhalteparolen der offiziellen EU-Politik noch immer Glauben geschenkt wird; will der Mensch betrogen werden oder verdient er es bloß nicht besser – oder beides?
Um es mit den Worten der TUI-Reklame vergangener Zeiten zu sagen: “Sie haben es sich verdient!” - ob Sie nun wollen, oder nicht, liebe Leserinnen und Leser.
Währenddessen fantabuliert der deutsche Wirtschaftsminister davon, gegen die Defizite der EU hülfe nur eins: noch mehr EU! Und träumt davon, sein Spardiktat per Wirtschaftskommisar flächendeckend über den gesamten Berliner, äh: Brüsseler EU-Kontinent auszubreiten.

Oh je! Dieser Minister hat offensichtlich jede Menge Erfahrung mit Menschen aus Tinte und Papier, aber mit denen aus Fleisch und Blut tut er sich schwer. Zudem scheint die Wirklichkeit der letzten vier Jahre wie im Schlaf der Vernunft an Wolfgang Schäuble vorbeigerauscht zu sein; und das ist derselbe Schlaf, der bekanntlich Monster gebiert.

Denn wenn seine untauglichen “Rettungs”-Versuche, die das fortgesetzte Versagen einer “Politik” kaschieren sollen, die sich nur als wahnhaft qualifizieren ließe, eines offenbart haben, dann eine einfache Grundwahrheit: Menschen sagen manchmal das eine – tun aber ganz etwas anderes!

Wer hätte das gedacht? Wolfgang Schäuble anscheinend nicht.

Selbstverständlich würde jeder einem deutschen Sparminister in die Hand versprechen, sich jetzt aber beim Sparen wirklich etwas mehr anstrengen zu wollen – wenn er dafür von Brüssel aus einen zweistelligen Milliardenbetrag auf sein Konto überwiesen bekommt?

Ist das Geld erst mal auf dem Konto, kann man damit doch machen, was man will, oder? Zumindest, solange nur noch die nackte Not regiert, und genau das tut sie nach zwanzig Jahren gemeinsamer EU-Wirtschaftspolitik.

Interessanter Weise stehen heute diejenigen Staaten wirtschaftlich weit weniger schlecht da, die sich dem maroden Euro-Zauber von anfang an verweigert haben. Aber “no taxation without representation” scheint eine Wahrheit zu sein, die nicht sein kann, weil sie nicht sein darf; zumindest nicht zwischen Westwall und Ural.
Aber nach derzeit gültiger öffentlich-rechtlicher Einheitsmeinung handelt es sich bei Großbritannien, Norwegen und der Schweiz um Elendsquartiere à la Zimbabwe, und ist nicht auch der Internationale Währungsfond der Meinung, dass nur Deutschland noch alle Wachstumskriterien erfüllt?

Was – nebenbei gesagt – darauf hinweisen könnte, dass den Statistiken des IWF (IMF) eine etwas seltsame Definitionen von Wachstum zugrunde liegt.

Was nun das wirklich einmalige Talent, sich seine eigene Parallelwelt zurechtzuzimmern, abelangt, macht der offiziellen “Politik” so leicht keiner etwas vor – abgesehen von ihr selbst.
Frau Dr. Merkel, von der es in Gerüchten heißt, dass ihr Doktortitel im Gegensatz zu dem von Frau Schavan echt sein soll, hat angeblich auch unter größten Mühen nicht verstehen können, dass in Athen keiner Lust hatte, sich anlässlich des Staatsbesuches der deutschen Bundeskanzlerin in seinem Elend auch noch von einer Knipstouristin aus Berlin angaffen zu lassen.

Dementsprechend rigoros fielen jene Sicherheitsvorkehrungen aus, die verhindern sollten, dass die Kanzlerin von spontanen Stimmungsausbrüchen in Athen zu sehr mitgerissen wurde.

Sieht so aus, als wäre der Sekundenkleber von den Fingerkuppen ins Großhirn difundiert. Aber: Wenn die Verleugnung der Realität zur Methode wird, sagt man Fundamentalismus dazu, in diesem Fall der Extremismus jener bürgerlichen Mitte, die sich zwischen zusammengebissenen Zähnen weißmachen möchte, dass man gerne das Doppelte für seine Stromrechnung bezahlt, solange es dem alternativen Steuersparmodell, äh: der “Energiewende” dient.

Umverteilung von unten nach oben nennt man das, was auch jene SPD empfiehlt, die mit dem Geld immer so großzügig ist – vor allem mit dem Geld anderer Leute.
Während “grüne” Politik sich daran festmacht, dass eine Rolle Alu-Folie “eigentlich” zwölf Euro fünfzig kosten müsste - “eigentlich”! Man wird seitens der “Grünen” schon dafür sorgen, dass das geschieht; spätestens, wenn wieder ein Atomkraftwerk ein Seebeben auslöst und sich auf dem Rücken von 30.000 Toten eine Landtagswahl gewinnen lässt, so wie im Öko-Ländle Baden-Württemberg geschehen, oder bei der Wahl zum OB, so wie in Stuttgart geschehen.

Zu den bezeichnenden Pointen von zwei Generationen “europäischer Integration” gehört es, dass alle, denen dieser liebenswerte Kontinent auch weiterhin am Herzen liegt, nur gegen die Diktatur des Ministerrates und eine EUdSSR sein können, die in eben diesen zwei Generationen zur Brüsseler Beamtendiktatur, einem anti-demokratischen Moloch, herangewachsen ist.
In Oslo hält man diese EU für ein Werk des Friedens. Und in Deutschland wird diese Wahrnehmung eilfertig vor allem von der staatlichen und halbstaatlichen Medienszene beklatscht und begrüßt, denn sie reiht sich als Refraim so nahtlos ein in alles, was man gerne glauben möchte, bis die Krise auch zu Ihnen kommt, verheerte Leserinnen und Leser: Der Euro ist Frieden, und die Erde ist eine Scheibe, die auf dem Rücken einer Schildkröte balanciert.

 

Gerrit Liskow

 

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Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Mittwoch, 31 Oktober 2012






Ich stimme Gerrit voll zu, danke für den ausgezeichneten Artikel.

Ich habe in meinem Blog einen Artikel geschrieben, und begründet, warum ich diese Entscheidung für anmassend und weltfremd ansehe:

http://reinerschleicher.over-blog.com/article-anmassend-und-unverstandlich-in-der-begrundung-nicht-stichhaltig-die-verleihung-des-friedenspreises--111213756.html



Hat denn jemand eine Idee, welche Alternative man anlässlich der nächsten Wahl wählen sollte? Bitte her damit!



alternative? auswandern. ach, wär ich jünger, ich löste auf der stelle ein one-way-ticket