Gaza-Guido macht Gaddafi fertig (nur im Traum)

Gaza-Guido macht Gaddafi fertig (nur im Traum)




Unser alter Bekannter, der deutsche Noch-immer-Außenminister Guido von der Spaßpartei rechnet sich den Sieg über Gaddafi als seinen persönlichen Verdienst an und versteht ihn nicht etwa als Effekt eines koordinierten Militäreinsatzes von Rebellen und West-Alliierten (minus Germany).

 

von Gerrit Liskow

 

Gaza-Guidos neuester Streich: Gaddafi musste aufgeben, weil ihm der deutsche Außenminister das Taschengeld gesperrt hat. O-Ton Gaza-Guido: Der Sieg über den lybischen Tyrannen wäre ein Erfolg des „Sanktionsregimes“; viel Gelächter auch aus den eigenen Reihen gab es gratis dazu.

Zu diesem sogenannten Sanktionsregime hatte sich die neue strategische Ost-Süd-Ost Achse aus Deutschland, Russland, China, Indien und Brasilien (olé!) durchgerungen, um Gaddafi mit ein paar Daunenkissen solange unter den Fußsohlen zu kitzeln, bis er vor Lachen in Ohnmacht fällt oder den Rückwärtsgang einlegt; so viel zum Spaß-Verständnis dieser Spaßpartei.

Wenig Ahnung hat man am Werderschen Markt indes von der Mentalität eines Ex-Tyrannen, der gegenwärtig darüber verhandeln möchte, wie er sich seinen Abgang zu allem Überfluss auch noch durch sicheres Geleit in ein Golf-Land und ein paar Spaß-Milliarden vergolden lassen kann.

Und der sich versteckt hält, während sein letztes Aufgebot die libysche Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt um den Preis hoch zutreiben; und für den Rest der Welt ein paar „Anreize“ zu schaffen, Gaddafi den goldenen Handschlag zu geben – Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Die gegenwärtig zu verhandelnde Flucht und Überführung Gaddafis und seiner Getreuen dürfte sich Gaza-Guido vermutlich als humanitäre „Leistung“ einer Außenpolitik anrechnen, die es gut meint mit dem Menschen, sofern dieser ein zu Scherzen aufgelegter Tyrann oder Terrorist (m/w) ist.

Instinktsicher hatte der spaßige deutsche Außenminister (FDP) sich zu dessen Lebzeiten denn auch schützend vor die Möllemanniaden seines Spaßparteivorsitzenden gestellt und befunden: „Israel-Kritik“ muss erlaubt sein! Um sich für „höhere“ Aufgaben in Berlin zu empfehlen?

Wie diese „Israel-Kritik“ aussieht, definiert seit dem Pogrom-Beschluss des deutschen Bundestages in ihrer Funktion als Speerspitze des Parlamentarismus bekanntlich die deutsche „Links“-Partei. Deren derzeit aktueller außenpolitischer Sprecher, Wolfgang Gehrkes, verspricht sich von dem „Hass-Fest“ (so nennt es Dieter Graumann) Durban III wichtige „Impulse“ für die „Lösung“ der „Israel-Frage“.

Wenn es nach Gehrkes und der „Links“-Partei ginge, dürfte man dann bald auch wieder „Endlösung“ sagen, und zwar mit gutem „politischem“ Gewissen – und nicht „nur“ so zum Spaß, wie bei der FDP?

Somit zurück zu Gaza-Guido und seinen Sympathien für die von ihm so genannten Kraftzentren, denen man sich vom Werderschen Markt aus unter fachkundiger Führung in einer willkürlich und beliebig, um nicht zu sagen: nuttig und billig wirkenden, indes sehr „politischen“ Haltlosigkeit an den Hals zu werfen versteht.

Es scheint, als bestünde die Funktion des Auswärtigen Amtes (AA) tatsächlich in nicht viel mehr als der einer Abverkaufshilfe für den „Exportweltmeister“, und da macht nun mal die dickste Marie den Stich; man sollte die deutsche Diplomatie dann aber auch in Hostessen-Service umbenennen.

Das alles wurde „Parteifreunden“ in Gaza-Guidos Ex-Spaßpartei nun vielleicht bloß zu offensichtlich. Jene Parlamentarier, die ohne die von der CDU zu verantwortende „Opel-Rettung“ niemals so warm und so trocken säßen, wie sie das heute tun, oder das zumindest nicht in so großer Zahl, und sei es auch nur für eine Legislaturperiode – wollen die etwa noch mehr „Spaß“?

Denn nach wie vor schliddert das liberale Dream-team Rösler-Bahr bei aufgerundet um die 5% in den einschlägigen Umfragen herum; zu Zeiten der Eiskunstlauf-Vizeweltmeister Kilius-Bäumler sagte man Todesspirale zu dieser Kür.

Die leidenschaftlichste „Kritik“ an der reinen Kraftzentren-Lehre à la Gaza-Guido ließ übrigens Ruprecht Polenz, Vorsitzender des Außenausschusses, mit Kanzlerambition, vernehmen und das vielleicht nicht ohne Grund. Muss Herr Polenz (CDU), sich doch davor hüten, dass ihm das Auswärtige Amt sein Monopol auf den „kritischen Dialog“ mit einem dieser „Kraftzentren“ streitig zu machen versteht; und zwar mit der Islamischen Republik Iran.

Um das Maß voll zu machen, verteidigt Gaza-Guido seine Einschätzung der libyschen „Lage“ – über die er sich vielleicht mit einem Blick in den Badezimmerspiegel verständigt? – wie folgt: Er habe die Würdigung des Beitrags der West-Alliierten (minus Germany) deshalb bewusst gering gehalten, weil er die lybischen Rebellen nicht hätte kränken wollen.

Als ob es die libyschen Rebellen sonderlich interessieren würde, was Dr. Guido Westerwelle will. Der kann einem für seinen fast vollkommenen Wirklichkeitsverlust beinahe schon leidtun, doch Mitleid wäre hier fehl am Platze.

Realistisch sein muss leider manchmal heißen, keinerlei Motiven zu trauen, die sich nicht durch ein niedrigeres ersetzen ließen. Ich vermute deshalb, dass der deutsche Außenminister viel Bewusstsein von narzisstischer Kränkung hat, vor allem von der der Anderen.

Mindestens so viel, wie von der Ausrichtung einer deutschen Außenpolitik an den „Kraftzentren“ Russland, China, Indien und Brasilien; diesen auf recht symptomatische Art zu kurz gekommenen Potenzen, die ihm und dem neuen Deutschland auf Anhieb sympathisch und seelenverwandt sind.

Wer ist denn schon diese altbacksche Super-Nanny namens Freedom & Democracy? Was sind die USA, England und Frankreich? Schnee von gestern, dünkt es offensichtlich Gaza-Guido und sein AA. Militärische und moralische Gewinner der Geschichte, weiß, wer etwas von letzterer verstanden hat.

Aber Geschichte und sonstige Empirie scheinen Fakten zu sein, von denen man sich im deutschen Außenamt – das bis in die 70er Jahre hinein mehr Ähnlichkeit mit einer kriminellen Vereinigung als einer Behörde hatte – stets bedroht, beizeiten besiegt, aber wohl noch nie befreit gefühlt hat.

Um sich mit seiner historischen Beleidigung und aktuellen Belästigung durch die West-Alliierten, vor allem mit seiner „Kränkung“ vom 8. Mai 1945, nicht länger so allein zu fühlen, gönnt sich das wieder „gut“ gewordene Deutschland eine „Außenpolitik“ nach Maß; um in schlafwandlerischer Sicherheit seine „politischen“ Tagträume nicht nur in Gaza-City wahr werden zu lassen?

Dem Namen nach nennt sich das Außenpolitik, in Wirklichkeit hat es mit dem deutschen Innersten und seinem Drang nach Wiedergutwerdung (Eike Geisel) zu tun; das allein wäre ein Veto der West-Alliierten zur Verhinderung des ständigen deutschen Sitzes im UN-Sicherheitsrates wert.

Vor dem Hintergrund ihrer historischen, gesellschaftlichen sowie persönlichen, „Kränkung“ haben Deutschland und seine „Außenpolitik“ einander verdient wie Arsch und Eimer; ähnlich komplementär verhält es sich mit der Beziehung zwischen Gaza-Guido und dem Werderschen Markt sowie der FDP.

Nach „politischem“ Maß heißt hierzulande nämlich: Wer seinen Westerwelle im Außenamt hat, braucht zur Durchsetzung seiner „Politik“ keine „Links“-Partei mehr. Denn wenn die Sonne der „Politik“ bloß niedrig genug steht, wirft sogar ein Gaza-Guido lange Schatten.

 

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Autor: haolam.de
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Samstag, 27 August 2011






Die Aufgaben eines Außenministers sind höchst kompliziert und anspruchsvoll.
Nach Bismarcks Entlassung (der eine Sonderstellung einnahm) gab es im Deutschen Reich Amtsverwalter, Versager aber auch nicht wenige fähige, bedeutende und große Vertreter des Reiches. Zu den großen Versagern zähle ich auch Wilhelm II., der nach Bismarck die Außenpolitik (manchmal gegen den Widerstand des auswärtigen Amtes) bis nach 1914 prägte.
Große Männer wie zum Beispiel Rathenau und Stresemann erwarben sich nach dem ersten Weltkrieg große Verdienste für Deutschland und die Welt.
Über die schändliche Politik des Auswärtigen Amtes in der Nazi-Zeit hat sich jüngst eine unabhängige Historikerkommission klar und unmissverständlich geäußert.
Auch in der Bundesrepublik gab es in der Außenpolitik - von Adenauer über Brandt bis Genscher (und mehr) - geschickte, weitsichtige und kluge Köpfe.

Fast peinlich erscheint es, nach diesen großen Namen von Männern, die Geschichte machten (hier muss Treitschke noch einmal missbraucht werden) - den gegenwärtigen Amtsinhaber zu erwähnen. Eindrucksvoll ist dieser Mann allenfalls in seinem Dilettantismus, seinem offenbar politikprägenden Narzissmus und seiner Ignoranz.
Die Dimensionen seiner unsinnigen und törichten Entscheidungen werde glücklicherweise nicht mit den Folgen der außenpolitischen Entscheidungen von Wilhelm II. haben. Das "Niveau" der Außenpolitik des aktuellen Außenministers erhebt sich allerdings in keiner Weise über das Dilettieren unseres letzten Kaisers.



Das Volk muss mit den Ergebnissen der Politikerkaste leben, glaubt man. Tatsächlich kann der Außenminister nur das tun, was seine Partei ihm erlaubt. Hier müsste man mit den Überlegungen anfangen.