Antisemitismus: Ken Jebsen, Ai Weiwei, Einerlei

Antisemitismus:

Ken Jebsen, Ai Weiwei, Einerlei




Es war zu erwarten. Nachdem der Vorstand des RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg) von seinem verfassungsmäßig garantierten Recht auf Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit Gebrauch gemacht hat und Ken Jebsen gefeuert hat, kommen die Fans der Show KenFM angekrochen und japsen, ihrem geliebten Ken sei das Recht auf freie Meinung genommen worden. Auf der Facebook-Seite von KenFM finden sich unter anderem folgende lustige Einträge:

„Mensch ist das mal wieder zum aufregen!!! Ich kan diese Antisemitenheuchelei nicht mehr ertragen!!!!! Es kotzt mich an! Ein Grund mehr dieser Regierung und Co nicht zu trauen!!! Baue dir einen coolen Blog und leise Freeman schützenhilfe. Ken4President“

„Schade, dass KenFM nun Opfer der Zensur geworden ist. Mir fällt gerade keine einzige andere Sendung in den öffentlich rechtlichen Sendeanstalten ein, die ähnlich aufklärerisch gewirkt hat.“

„Du bist unser Ai Weiei! Wir vergessen dich nicht.“

Ja, laut einigen Hörerinnen und Hörer des RBB Jugendradios Fritz, auf dem KenFM über zehn Jahre jeden Sonntag lief, ist Ken Jebsen ein Künstler wie Ai Weiwei, also jemand, der um sein Leben fürchtet, im Gefängnis saß, einfach so verschwand und momentan unter staatlichem Hausarrest steht.

Herzlichen Glückwunsch, RBB! Zehn Jahre progressives Jugendradio machen sich wirklich bezahlt!

Bei so viel Unwissen wundert es nicht, dass andere Hörer von KenFM warnen:

„Pass auf dich auf alter denk an Möllemann !!!!!!!!“

„Ich hoffe, DIE schalten Ken jetzt nicht völlig aus siehe Möllemann!“

Ja, wenn Ken Jebsen gerade nicht Ai Weiwei ist, dann ist er Jürgen Möllemann und muss aufpassen, weil der Möllemann, wie der gemeine KenFM Fan weiß, selbstverständlich kein schmieriger, korrupter Hampelmann war, der sich umbrachte, nachdem er einsehen musste, dass er auf ganzer Linie gescheitert war, sondern ein Opfer einer Verschwörung, die ihn in den Tod getrieben hatte.

Wenn man nun wissen will, wer „DIE“ Verschwörer gewesen sein sollen, muss man nur die Kommentare lesen:

„Kann man leicht beantworten, ohne was du unter einer abschussliste verstehts. Die FDP wollte in rauswerfen und der Jüdische zentralrat hat in auch angeklagt“

Der Zentralrat der Juden also! Wer hätte es gedacht?

Man hätte natürlich auch kurz bei Henryk M. Broder nachfragen können, was er in den letzten Tagen für Mails von den Fans von Ken Jebsen erhalten hat, um in die Seele dieser Menschen blicken zu können:

„Wenn Juden über Fernsehsender und über den Rest der Medienwelt in Deutschland herrschen, und bestimmen wer gefeuert wird und wer bleiben darf (Ken Jebsen), dann läuft hier gewaltig etwas schief.

Das ist wirklich traurig, denn genau deswegen wurden Sie vor 60 Jahren in diesem Land ja auch so gehasst! Ich bin vielleicht mit meinen 20 Jahren noch sehr jung, aber ich kann nun ohne Zweifel sagen, dass Hitler Recht hatte! Nicht mit dem Holocaust, dieses unmenschliche und widerwärtige Verbrechen, aber mit seiner Meinung zum Weltjudentum…

Hitler hätte damals man besser alle Juden ausweisen lassen sollen und gut is. Dann hätten doch Amerika oder Frankreich oder was weiß ich wer sie aufnehmen können (genug Geld hatten die Juden ja in Deutschland sowieso schon genug angehäuft…), aber wir Deutschen wären endlich wieder frei gewesen, ohne den Marionettenspieler im Hintergrund…“

Unter den Fans von Ken Jebsen gibt es also Menschen, die zwar sagen, dass der Holocaust ein „unmenschliches und widerwärtiges Verbrechen“ war, aber dennoch ohne Probleme davon überzeugt sein können, „dass Hitler Recht hatte.“ Unter diesen Umständen bekommt Ken Jebsens Stellungnahme, in der er behauptet, er könne allein schon deshalb kein Antisemit sein, weil er den Holocaust immer als ein Verbrechen bezeichnet hätte, eine ganz neue Bedeutung.

Liebe Fans von Ken Jebsen,

oder, um Euch beim Namen zu nennen,

Liebe verschwörungstheoretische Vollpfosten,

das Recht auf freie Meinung bedeutet, dass jeder Mensch seine Meinung frei äußern darf und kein Staat eine Meinung verbieten darf. Freie Meinung bedeutet aber auch, dass keine Zeitung und kein Radio-, Fernseh- oder Internetsender dazu gezwungen werden darf, der Meinung von Ken Jebsen Platz einzuräumen!

Ken Jebsen kann seine Meinung frei äußern – im Internet, auf der Straße und in eigenen Blättern und Büchern – aber kein Medium darf gezwungen werden, seine Meinung zu verbreiten. Für die Verbreitung muss der Ken schon selber sorgen.

Es wäre Zensur, eine Redaktion zu zwingen, Kommentare, die ihr zuwider sind, in ihrem Medium zu dulden. Die Redaktion entscheidet, was gedruckt wird und was nicht, niemand sonst, kein Staat, keine Gesellschaft, kein Nachbar, keine Kammer, nur die Redaktion selbst. So wie jeder Mensch in seinem Zuhause selbst entscheidet, wen er über seine Türschwelle lässt und wen nicht, so entscheidet eine Redaktion, welche Artikel in ihrem Medium erscheinen und welche nicht. Ansonsten könnten sich ja auch jederzeit die Zeugen Jehovas Einlass in meine Wohnung erzwingen mit dem Vorwurf, ich übte Zensur, ließe ich sie nicht rein.

Nein, es ist immer noch meine Entscheidung, wem ich Zutritt in mein Haus gewähre und es ist immer noch die Entscheidung der Redaktion, was sie druckt. Das ist Freiheit!

Zehn Jahre hat der RBB entschieden, die Meinung von Ken Jebsen zu verbreiten. In der Zeit hat Ken Jebsen unter anderem behauptet, der Diktator Gaddafi hätte einiges richtig gemacht und unter den 1027 Terroristen, die Israel im Gegenzug zu Gilad Schalit freigelassen hatte und unter denen hunderte von überführten Mörder waren, die bis zum heutigen Tage stolz darauf sind, Juden getötet zu haben, hätten „wahrscheinlich nur ein bis zwei Leute einen Menschen umgebracht.“ (Sind Juden für Ken Jebsen keine Menschen?)

Bis zum letzten Mittwoch war es die freie Entscheidung des RBB, Ken Jebsens Meinung zu senden. Jetzt hat der RBB mit der gleichen Freiheit beschlossen, Ken Jebsen nicht mehr zu senden. Beide Entscheidungen wurden auf der Grundlage der Meinungs-, Kunst- und Pressefreiheit gefällt: Die Redaktion entscheidet, was gesendet wird und was nicht!

Zehn Jahre wurde Jebsen vom RBB hofiert. Jetzt halt nicht mehr.

Lang lebe die Freiheit!

 

Tapfer im Nirgendwo

 

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Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Freitag, 25 November 2011