Das Dementi als Selbstanklageschrift: Hermann Dierkes und die Wiederkehr des Verdrängten

Das Dementi als Selbstanklageschrift:

Hermann Dierkes und die Wiederkehr des Verdrängten




In einem Dementi, das sich wie die Bestätigung dessen liest, was es widerlegen soll, versucht der Duisburger „Links“-Parteichef und Beinahe-Bürgermeister von Ruhr-Athen, Hermann Dierkes, sich gegen Vorwürfe in Schutz zu nehmen und sich gleichzeitig als Opfer einer „konzertierten Aktion“, eines „Maulwurfes“ zu inszenieren.

Eine an sich überflüssige Arbeit, denn mit seinem „offenen Brief“ bestätigt Hermann Dierkes nichts, was die Öffentlichkeit nicht schon wusste – oder sich zumindest denken konnte.

 

von Gerrit Liskow

 

Zum Hintergrund: Es war auf den Rechnern der lokalen „Links“-Filiale ein Schriftstück aufgetaucht, das Hakenkreuz und Magen David grafisch zu einer Einheit verbindet; der schriftliche Inhalt dieses Flugblatts passte zum Rest.

 

Das spricht für sich.

 

Hermann Dierkes schreibt in seiner Selbstanklage, dass die ganze Angelegenheit „nicht einmal die Bezeichnung lokale Fußnote“ verdient – und bestätigt damit zweierlei, zumindest aber eins von beiden:

 

Dass die Umkehr der historischen Rollen von Opfern und Tätern für ihn völlig nebensächlich ist und dass es für ganz selbstverständlich hält, dass Israel nicht „nur“ als Jude unter den Staaten, sondern ausgerechnet als „Nazi“ unter den Staaten beschimpft werden soll.

 

Die EUMC Arbeitsdefinition macht übrigens in ihrer Arbeitsdefinition gerade von diesem Kriterium – Israel als „Nazi“ unter den Staaten – in ihrer Antisemitismus-Definition Gebrauch.

 

Hermann Dierkes scheint nolen-volens bezeugen zu wollen, dass ihr Antisemitismus für die „Links“-Partei nicht weiter bemerkenswert ist; vermutlich genau wie sein Bundesvorstand in Berlin, der aber aus einem ganz anderen Grund und mit einer ganz anderen, wo möglich personalen Konsequenz.

 

Es ist grundsätzlich interessant, gegen welchen Verdacht Hermann Dierkes von der „Links“-Partei aus Duisburg sich zu verwahren müssen glaubte, obwohl dieser bisher gar nicht gegen ihn, sondern lediglich gegen das inkriminierte Flugblatt (etliche Strafanzeigen wurden bereits gestellt) erhoben wurde: der des Antisemitismus.

Und gegen diesen Vorwurf versucht Hermann Dierkes, dieses Flugblatt in Schutz zu nehmen: „nicht einmal“ eine „lokale Fußnote“ - man sollte ihn dafür beim Wort nehmen.

Hermann Dierkes „offener Brief“ ist eine Mischung aus pathetischem Revolutionskitsch à la Dritte Internationale, inklusive pseudo-religiösem Glauben an die Sache, und einer ebenso pompösen wie hysterischen, dabei auch noch überaus umfangreichen Hetzschrift gegen seine Kritiker.

 

Der Sammelbegriff für sie lautet nach Hermann Dierkes übrigens „Reaktionäre“; stellvertretend trifft es Stephan Laurin von den Ruhrbaronen, denen in diesem Fall meine uneingeschränkte Sympathie gehört.

 

Das öffentliche Selbstgespräch des Hermann Dierkes funktioniert, scheint’s, indes aber noch nicht mal als Maßnahme zur Selbstberuhigung seines Verfassers richtig gut.

 

Seine Fans und Groupies bei der „solid“, der Kükenfarm des nationalen Sozialismus, wird das kaum stören, denn sie werden Hermann Dierkes (Selbst)-Beschwichtigungs-Geständnis vermutlich nicht nötig haben, um sich und ihre „Wut im Bauch“ in den Kreisen der Duisburger „Palästina-Solidarität“ auch weiterhin gut aufgehoben zu wissen.

Die bürgerlichen und demokratischen Koalitionspartner der „Links“-Partei im Duisburger Rathaus hingegen hatten zur Sache offiziell bislang nichts weiter zu sagen als: Das inkriminierte Flugblatt ist eine Angelegenheit, die die „Links“-Partei doch bitte mit sich selbst abmachen soll.

Man hat wahrscheinlich keine Lust auf Neuwahlen, bloß weil der „linke“ Koalitionspartner nicht verantwortlich genug mit den Inhalten auf seinen Rechnern umzugehen versteht.

 

Derlei staatstragendes Bekunden ist vielleicht auch besser so, denn noch eine Flugblatt-Apologetik, also ein weiterer Rechtfertigungsversuch à la Hermann Dierkes, nur dann eben aus den Reihen der SPD und/oder der Bü90/Grünen, liefe eventuelle Gefahr, auch bei den demokratischen Parteien die eine oder andere, sagen wir mal: bequeme, Grundannahme in Zweifel zu ziehen.

Doch zurück zum Duisburger Serverfund. Außer, dass Dierkes-Vize Ute Abrahams für viele Stunden gar nicht wusste, welches der vielen, vielen Schriftstücke auf den Rechnern der „Links“-Partei mit der Beschreibung „antisemitisches Flugblatt“ überhaupt gemeint sein könnte, lernen wir aus den Aussagen des Hermann Dierkes: Nichts; zumindest nichts in der Sache Relevantes.

Ein Tipp an die „Links“-Zentrale in Berlin: in Zukunft bitte immer zusätzliche qualifizierende Angaben machen (Titel, Autor, Jahr)! Derartige Angaben erleichtern den Genossen die Suche vor Ort.

 

Doch zurück zum Geständnis im Gewande eines Dementis, das Hermann Dierkes produziert und flugs an alle „verantwortungsbewussten Redakteure“ landauf, landab in der Form eines „offenen Briefes“ herumgeschickt hat, der sich auch als freiwillig-unfreiwilliges Bekennerschreibens qualifizieren ließe und der auch als Symptom, als Wiederkehr des Verdrängten (Freud), ernst genommen werden kann.

 

Ideologisch schnurrt das Ganze an der Stelle zusammen, an der Dierkes den Antisemitismus als „Form des Rassismus“ definiert; Jan-Philipp Reemtsma hat in seinem Essay „In der Falle des Rassismus“ bereits vor vielen Jahren wesentliche Gedanken entwickelt, die diese Ansicht befragen.

 

Denn wo der Rassismus sich auf physische Attribute stützen muss (Haut, Haare, Nase, Mund, oder andere herausragende Körperteile), dienen dem Antisemitismus immaterielle Attribute als pseudo-faktische Basis für seine Sagenwelkt: überlegene Geistesgaben, skrupellose Gier, gerissener Machtpoker und dergleichen mehr gehören zu den bekannteren Versatzstücken seiner Mythologie.

Diskursive Versatztücke, die im Fall des Antisemitismus regelmäßig eben nicht dazu benutzt werden um ein relativ zum eigenen Standpunkt „unterlegenes“, „minderwertiges“ Kollektiv zu konstruieren, das für die Zwecke seiner Unterdrücker umso skrupelloser auszunutzen ist; und das auch noch mit gutem Gewissen.

 

Nein, sondern im Antisemitismus wird ein Kollektiv in eine zum Schein abhängige und vermeintlich unterlegene Position diskursiv hinein konstruiert – aus der heraus ihr dann im sogenannten Kampf gegen ihre vorgeblichen Unterdrücker, oder auch im heute so genannten „legitimen Widerstand“, alles erlaubt ist – bis hin zur physischen Vernichtung des angeblichen „Weltfeindes“.

Es wird also eine überlegene „Elite“, eine „Lobby“, pseudo-politisch zweckdienlich herbei halluziniert inklusive ganzer „Machenschaften“, die – selbstverständlich! – die ganze Menschheit bedrohen und der die ganze Welt anheim zu fallen droht; wären da nicht der Abwehrkampf von Hermann Dierkes und den Seinen, voller „Wut im Bauch“ und stramm „Links“-parteilich organisiert.

 

Man sieht, dass zwischen Rassismus und Antisemitismus, bei allen historischen und „politischen“ Parallelen, hinsichtlich der Macht beträchtliche und gewichtige Unterschiede bestehen, die nur um ein Verbrechen an der Wahrheit und der Menschheit unterschlagen werden können.

Antisemitismus eignet sich insbesondere wegen der Immaterialität der von ihm benutzten Attribute – das Abstrakte, Künstliche, Vermittelte – hervorragend zur Kompensation einer frei flottierenden Ego-Phobie, die sich die Mediokrität ihrer eigenen Existenz nicht anders zu arrangieren versteht, als im angstlüsternen Wahn von einer selbstzweckhaft herbei halluzinierten Verschwörung.

Einer „konzertierten Aktion“, die je nach sozioökonomischer Fallhöhe die Betroffenen wirres Zeug über „Wall Street“, „Hollywood“, „Die Heuschrecken“ oder „Die Medien“ von sich geben lässt und über die man alles Wissenswerte aus den „Protokollen der Weisen von Zion“ erfährt.

 

Es muss all dies gar kein Antisemitismus im Wortsinn der historischen „politischen“ Ideologie des deutschen Faschismus sein; es genügt ein solider Hass auf das Gattungswesen um an Jüdinnen und Juden das zu bekämpfen, was man an sich selbst nicht leiden mag, und um sich zu „erklären“, warum einem an einem „Leben im Falschen“ (Adorno) nichts liegt.

 

Wer nun – wie Hermann Dierkes von der „Links“-Partei aus Duisburg –Antisemitismus als Rassismus versteht, unterstellt, der Antisemitismus habe in der Tat etwas mit den Juden zu tun, weil er sich ja auf angebliche „Attribute“ stützen würde - und nicht etwa „nur“ auf die Vorstellung von denen, die diesen Wahn (re-)produzieren.

Man kann es auch falsche Unmittelbarkeit nennen, die Bewertung überlasse ich den Leserinnen und Lesern selbst.

Doch weiter zu Hermann Dierkes Versuch, sich als Opfer dunkler Machenschaften zu inszenieren, eines mystisch-mythischen Mossad(?)-„Maulwurfs“, der seinen Tunnel durch den Datensalat der „Links“-Partei grub, um bei der „solid“ einen Haufen zu machen.

 

Das ist nicht logisch, aber psychologisch und wird ideologisch, wenn es „politisch“ wirksam werden soll; nebenbei kann mit derartigen Ideen vielleicht auch noch die Einsicht kompensieren, dass man für die Navy Seals einfach nicht interessant genug ist.

 

Wie gesagt: Die Unterstellung, gegen Hermann Dierkes sei der „Antisemitismus-Vorwurf“ erhoben worden, entbehrte bisher noch jedem Grund in der Wirklichkeit; interessant ist aber, mit welcher Inbrunst und Entschlossenheit Hermann Dierkes sich diesen Vorwurf zu eigen macht, indem er ihn zu bestreiten versucht und ihn in seinem Dementi bestätigt – ist das die Wiederkehr des Verdrängten?

Bisher war lediglich auf ein Flugblatt auf den Servern der Duisburger „Links“-Filiale aufmerksam gemacht worden, bei dem ein Blick auf die grafische Aufmachung genügt (ein Hakenkreuz, das mit einem Magen David verschmilzt) um festzustellen, dass es für sich selbst spricht.

Was Hermann Dierkes in seinem Bekennerschreiben nicht nur implizit, sondern explizit in Schutz zu nehmen versucht – vielleicht, weil er weiß, dass Antisemitismus sich schlechterdings nicht in Schutz nehmen lässt, ohne sich für jede halbwegs zivile Demokratie von vornherein zu disqualifizieren – ist: der in seinen „linken“ Kreisen so genannte Antizionismus, aka „Israel-Kritik“.

 

Zum Beweis listet Hermann Dierkes in seinem Bekenntnisschreiben seine größten antizionistischen Erfolge auf, alle im Zusammenhang mit BDS (Boykott, Desinvestment, Sanktionen), und wir wollen ihm mal – wider jeden empirischen Grund dafür – wohlmeinend unterstellen, dass er ebenso streng bei deutschen Firmen zu Werke geht, die gerne für das iranische Atomprogramm tätig werden, wie er gegen Israel zu Felde zieht.

Es geht Hermann Dierkes bei seinen antizionistischen Aktivitäten um das was in aller „politischen“ Plattheit und scheinbaren Naivität folgendem Ausruf zusammenschnurrt: „Warum müssen die Palästinenser die historische Schuld der Deutschen ausbaden?!“

 

Das ist bis auf die Interpunktion mit einem zum Schein zweifelnden Fragezeichen und einem umso trotzigeren Ausrufezeichen der O-Ton Dierkes; spätestens an dieser Stelle zeigt sich, dass Mitleid völlig fehl am Platze wäre.

 

Die heute sogenannten Palästinenser werden von Hermann Dierkes in Stellung gebracht um das zu vertreten, was im deutschen Interesse ist: die moralische Entlastung; was angesichts der deutschen Geschichte ein durchaus nachvollziehbares Anliegen ist.

 

Warum aber muss das ausgerechnet in der Parteinahme für die „Opfer der Opfer“ (Joschka Fischers unsterbliche Selbstauskunft) geschehen und gegen die tatsächlichen Opfer und deren Nachkommen in Israel? Und letztlich sogar gegen das richtig verstandene Interesse der so genannten Palästinenser selbst?

 

Es dünkt Hermann Dierkes die Entsorgung der „historischen Schuld der Deutschen“ auf diese Art und es kann kaum ein Zweifel bestehen, was er meint: die Schuld, die jene Deutschen auf sich luden, die zum Zwecke des Völkermords und des Vernichtungskrieges bis zum 8. Mai 1945 tätig wurden.

 

Warum aber soll ausgerechnet diese Schuld soll unter den Teppich emsiger „Palästina-Solidarität“ gekehrt werden?

Es bleibt Hermann Dierkes süßes ideologisches und eventuell auch psychologisches Geheimnis, wie seine Rede von „historische Schuld der Deutschen“ überhaupt zustande kommt – sofern er damit die Schuld der historischen Deutschen meint, hätte er das besser genau so auch hinschreiben sollen.

 

Er will doch mit seiner symptomatisch verrutschten Formulierung nicht etwa sagen, dass der Weltgeist sich gegenüber Deutschland schuldig gemacht hätte, oder dass die von ihm in Stellung gebrachten Deutschen gegenüber ihrer Geschichte noch eine Forderung offen hätten?

Analog zu dem Witzbold, der meinte, die Deutschen würden den Juden den Holocaust niemals verzeihen?

 

Wenn es keine Kollektivschuld gibt, sondern nur die individuelle Verantwortung jedes einzelnen Menschen und aller von uns, wovon ich – nicht zuletzt im richtig verstandenen eigenen Interesse –weiterhin ausgehen würde, und das trotz vieler praktischer Beweise zum Gegenteil, ist es mir unklar, was eine kollektive „Schuld“ der Geschichte oder gegenüber der Geschichte sein soll.

Entscheidend ist an dieser Stelle ganz allein, wie Hermann Dierkes versucht, „die historische Schuld der Deutschen“ für seine Zwecke „politisch“ zu instrumentalisieren: als „Palästina-Solidarität“.

Hermann Dierkes versucht mit seinem „Schuld“-Argument nicht mehr und nicht weniger, als ein Kollektiv – „die Deutschen“ – erstens zu konstruieren und dann in Stellung zu bringen für die – zudem auch noch symptomatisch falsch verstandene – „Sache“ der seit 1967 so genannten Palästinenser.

 

Und das auch noch auf der Grundlage des Holocausts, der ausgerechnet zu dem „politischen“ Zweck von Hermann Dierkes instrumentalisiert werden soll, um Israel unmöglich zu machen.

 

Hermann Dierkes identifiziert ein Kollektiv mit den Mitteln einer von ihm unterstellten „historischen Schuld der Deutschen“ und versucht, das derartig konstruierte Kollektiv mit seiner „politischen“ Pseudo-Moral zur Konformität zu erpressen, zur Parteinahme mit den „Opfern der Opfer“ – wider die tatsächlichen historischen Opfer, sowie deren Nachkommen.

 

Wie Hermann Dierkes übrigens mit Kritik umzugehen versteht, wäre auch noch mal der Rede wert. Auf den ersten Blick scheint es, als ließen sich seine diesbezüglichen Auffassungen folgendermaßen auf den Punkt zu bringen: Pluralismus ist solange kein Problem, solange alle einer Meinung sind, und die ist vermutlich nicht mal Dierkes eigene, sondern eine „politische“ Direktive aus Berlin.

 

Es kann auf die Shoah viele Antworten geben, aber der sogenannte Antizionismus der deutschen „Israel-Kritik“ ist eine der interessantesten von ihnen. Im selben Maß, in dem der jüdische und demokratische Staat die Antwort auf den Antisemitismus (Herzl) war und ist, wird in der deutschen „Israel-Kritik“ mal um mal der Antizionismus zur Antwort auf Israel.

 

In diesem Sinn strotzen Hermann Dierkes Ausführungen vor schiefen Apartheid-Vergleichen, die jene beschämen, die die Apartheid erlebten – und zwar die tatsächliche Apartheid in Südafrika in den 70ern, und nicht etwa die Apartheid im Kopf von Hermann Dierkes, die nicht zuletzt seiner profunden Unkenntnis der Realität sowohl in Südafrika, als auch in Israel geschuldet sein mag.

 

Das geht bei Hermann Dierkes einher mit einem Geschichts-Revisionismus, in dem die historischen Rollen von Opfern und Tätern auf symptomatische Art und Weise vertauscht werden um das so konstruierte deutsche Kollektiv in der äußerst fragwürdigen historischen Kontinuität einer „politisch“ selbstzweckhaft unterstellen „historischen Schuld“ symptomatisch in Stellung zu bringen: für die „Opfer der Opfer“ und gegen die historischen Opfer und deren Kinder und Kindeskinder.

 

Wenn die sechs Millionen Toten der Shoah, derer wir übrigens in der letzten Woche gedachten, zu aller Entwürdigung, zu aller Erniedrigung, zu allem Elend, zu aller Qual und zu aller Vernichtung eines nicht auch noch verdienten haben, dann das: von Hermann Dierkes und den Seinen bei der „Links“-Partei in Duisburg und anderswo „politisch“ gegen Israel in Stellung gebracht zu werden.

Es ist denn auch geradezu typisch, symptomatisch und vorhersehbar, wen Hermann Dierkes als Kronzeugen seiner freiwillig-unfreiwilligen Selbst-Anklage zitiert:

 

Noam Chomsky, der aufgrund seiner jahrzehntelangen „akademischen“ Israel-Hetze unlängst von der Regierung in Jerusalem in einer bedauerlichen, aber ganz bestimmt nicht grundlosen Maßnahme zur Persona non grata erklärt worden ist;

 

Judith Butler, deren Haltung zu Israel bestenfalls als ambivalent zu qualifizieren ist, die sich gerade deshalb aber einer besonderen Beliebtheit innerhalb des angeblich postmodernen „moralischen“ Relativismus erfreute und erfreut;

 

Michel „Mikado“ Warschawski, der nach seiner Karriere bei der terroristischen PFLP (Volksfront für die Befreiung Palästinas) mit seinem „Alternative Information Center“ zweckdienliche Desinformation und Propaganda betreibt, die darauf hinausläuft, den Staat zu beseitigen, der sich seit dem 14. Mai 1948 „from the river to the sea“ erstreckt;

 

sowie, last but not least, „unsere“ gute alte Bekannte, Evelyn Hecht-Galinski, aka „Die Tochter“, also jene Person, die sich per Gerichtsbeschluss verbieten ließ, von Henrik M. Broder eine „hysterische Hausfrau“ genannt zu werden; ihre an Israel gerichteten Vorschläge zur Selbstvernichtung stießen und stoßen indes insbesondere beim WDR auf ein offenes und zudem von der Allgemeinheit finanziertes Ohr.

 

Dies also sind Hermann Dierkes „politische“ Bürgen, die – in nuce – eine Haltung zu Israel bezeugen, die sich unschwer irgendwo zwischen „freiwilliger“ Selbstabschaffung und dem Sieg jener angeblich gerechten Sache bewegen dürfte, die sich „Frieden“ nennt; da fehlen eigentlich nur noch Uri Avnery und Abraham Burg, aber die sind Hermann Dierkes vermutlich schon viel zu „zionistisch“.

 

Offensichtlich sind die heute sogenannten Palästinenser ihren Volks-Genossen im Westen - vor allem in jenem Deutschland, das prototypisch Hermann Dierkes und die „Links“-Partei repräsentiert - nicht wirklich oder gar an sich relevant, sondern lediglich in ihrer Funktion als Todfeinde derjenigen Juden, die man in den Kreisen der deutschen „Palästina-Solidarität“ Zionisten zu nennen versteht.

 

Und das inklusive weiterer disqualifizierender Adjektive, die in der Regel eine Täter-Opfer-Umkehr der ganz besonderen Art beinhalten, deshalb psychologisch überaus selbstzweckhaft sind, und bei der „Links“-Partei anscheinend den Status eines ideologischen Dogmas genießen.

 

Genau das bedeutet Hermann Dierkes Rede über „die historische Schuld der Deutschen“, die nicht die „Palästinenser ausbaden“ sollen – sondern gefälligst die Israelis selbst, per terroristischem Abnutzungskrieg, also der sogenannten Intifada der terroristischen Arme von Hamas und Fatah.

 

Diese Konstruktion erlaubt es, wegen Auschwitz gegen Israel in den Krieg zu ziehen – und das auch noch bei bestem „politischen“ Gewissen. Zurzeit vor allem diskursiv, wobei Normann Paech, damals noch außenpoltischer Sprecher der „Links“-Partei, einen Einsatz der Bundesmarine gegen Israel, dem „politischen“ Sachzwang vorauseilend, schon mal als eine „gute Idee“ qualifizierte.

 

Ist es nur eine Vermutung, oder ist das mit der „historischen Schuld“ am Ende womöglich gar so zu verstehen, wie es auch Adolf Eichmann verstand – der er es nachträglich sehr bedauert haben soll, bei der Vernichtung nicht „gründlicher“ gewesen zu sein?

Dass es heute kein Israel gäbe, wenn die deutsche Invasion in Palästina durch die Jewish Brigade und Bernard Montgomerys Achte Britische Armee bei El-Alamein nicht zum Stehen gebracht worden wäre, weiß womöglich sogar der Chef der Duisburger „Links“-Partei.

 

Die Bombardierung Tel Avivs durch deutsche Flugzeuge aus Kreta deutete immerhin an, wohin die Richtung des deutschen Völkermords- und Vernichtungskrieges gehen sollte. Ein Holocaust-Leugner ist Hermann Dierkes nicht, wäre ihm ein „erfolgreicheres“ Ergebnis vielleicht lieber gewesen? Für mich sind das keine rhetorischen, sondern völlig ernstgemeinte Fragen.

 

Ginge es Hermann Dierkes tatsächlich um die heute so genannten Palästinenser, wüsste er seine Ausführungen so zu denken, dass deren Befreiung zunächst mal die Befreiung aus dem Terror-Regime der Hamas sein muss, als deren diplomatische Charaktermaske sich seit letzter Woche wieder einmal die Fatah der PA auf der sogenannten West Bank nützlich zu machen bemüht.

 

Und ginge es Hermann Dierkes nicht um seine „historische Schuld der Deutschen“, wüsste er sich Aufgaben zu widmen, die für Israel bei weitem entscheidender sind, als die moralisch-„politische“ Nabelschau und Selbstentlastung die er zu Lasten von Dritten betreibt, und dabei insbesondere zu Lasten der historischen Opfer sowie des heutigen Israel.

 

Aber vor die Wahl gestellt zwischen seiner „Wut im Bauch“ und dem jüdischen Staat hat Hermann Dierkes sich instinktsicher für ersteres entschieden - und gegen Israel.

 

Von einer vernünftigen Strategie, die das Los der heute sogenannten Palästinenser unter dem Joch der Hamas/Fatah tatsächlich verbessern würde, ist in seiner ganzen „politischen“ Selbstinszenierung kein Wort zu lesen, und auch von den Umfrageergebnissen, nach denen mindestens die Hälfte der „palästinensischen“ Einwohner aus dem Osten Jerusalems lieber in den Westen der Stadt umziehen würden, als unter der Regierung der PA zu leben, steht nichts da.

 

Sein „offener Brief“ sollte in der Auffassung bestärken, dass Hermann Dierkes ein Mensch ist, der sich selbst nicht kennt und sich selbst fremd bleiben möchte; wobei etwas außerhalb seiner Macht stehendes ihn offenbar dazu treibt, sich mit dem selben Zwang, den er freiwillig-unfreiwillig an sich selbst verübt, auch an Dritten zu vergehen.

 

Und das bezeichnenderweise nach wie vor ohne, dass es der Duisburger SPD oder den Bü90/Grünen eines diesbezüglichen zweiten, „politischen“ Gedankens würdig erschiene.

 

 Foto: Linker Antisemitismus im "sozialistischen Venezuela"

 

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Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Montag, 09 Mai 2011