Günter Grass: Was anscheinend mal gesagt werden musste

Günter Grass:

Was anscheinend mal gesagt werden musste




Günter Grass, in bestem Ansehen stehender Volks- und Nationaldichter aller aufrechten Deutschinnen und Deutschen, vor allem „politisch“ linker Provenienz, bringt in einem „intellektuellen“ Amoklauf seine Gedanken in die Form eines „Gedichtes“.

Ein Kommentar von Gerrit Liskow

Es handelt sich dabei vor allem um solche Gedanken, von denen so und nicht anders (höchstens in schlechterer Orthografie) die einschlägigen Kommentarspalten von Spiegel bis Welt, von junge Welt bis Junge Freiheit überquellen, sobald es um Israel geht.

Denn wenn einer Israel sagt, denkt, oder schreibt, dann passiert in Deutschland offenbar einiges, auch bei Günter Grass. Bei dem führt dieses Reizwort nach eigenem Bekunden dazu, dass er sich erst mal ganz heroisch auf die Zähne beißt und die Pobacken zusammenkneift; das hat er wohl noch bei der Waffen-SS gelernt, die übrigens auch nicht jeden genommen haben.

Beim Thema Israel ist Herrn Grass zufolge „das Verdikt ‚Antisemitismus‘(…) geläufig“ – und angesichts dessen, was der Dichter des nationalen Sozialismus sich und seinen Fans zusammengereimt hat, kann man es den verehrten Leserinnen und Lesern getrost selbst überlassen, inwieweit dieses Verdikt zurecht geläufig ist – oder eben nur der freiflottierenden Paranoia, des Verfolgungswahns, eines Günter Grass geschuldet ist.

Übrigens geschiueht das pünktlich zum christlichen Osterfest, traditionell ein Höhepunkt tätlicher "Israel-Kritik", namentlich von Pogromen.

Was kommt nun genau daher, mit der vollen Wucht der verfolgenden Unschuld?

Nun, es geht etwas lahm los, indem Grass erläutert, warum er reden möchte, aber nicht reden kann, oder doch weiß, dass es schwierig ist, zu reden, aber er die Rede nicht länger aufschieben darf – denn er hat ja ein Gewissen, zu dem ein „politisches“. Und dann geht’s los und der ehemalige Waffen-SS-Mann liest den Juden, pardon, den Israelis, die Leviten.

Die Veröffentlichung, die heute in der New York Times, La República und der Süddeutschen Zeitung erfolgt, also drei der international renommiertesten Fachblätter für „Israel-Kritik“, liest sich so:

„Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist und in Planspielen geübt wurde

Doch warum untersage ich mir, jenes andere Land beim Namen zu nennen, in dem seit Jahren – wenn auch geheimgehalten (sic) – ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle und keiner Prüfung zugänglich ist?"

Nun ist der Bann gebrochen und dem Dichter geht die Hose auf – und nicht nur die, und nicht nur dem, sondern auch seinen Groupies aus der „Israel-Kritik“.

Außer Kontrolle scheint aber weniger irgendein Atomarsenal zu sein, sondern das „wachsend nukleare Potenzial“ des Dichters. Wer da nämlich „außer Kontrolle und keiner Prüfung zugänglich ist“, scheinen weniger die von ihm unterstellten Atomwaffen zu sein, denn die sind bekanntlich recht sicher gelagert und werden bestimmt auch regelmäßig auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft.

Was da außer Rand und Band ist, ist der Dichter selbst, dieser Herr Grass, der bereits davon träumt und fantabuliert, nach dem Einsatz dieses Potenzials „als Überlebende allenfalls“ – eine oder mehrere „Fußnoten“ zu sein. Nun ja, nachdem sich die Deutschen schlechterdings nicht als Überlebende des Holocausts bezeichnen können und nur mit erheblicher Mühe als Überlebende des „alliierten Bombenterrors“ (Hitler, Göring, Goebbels, et. al.) fühlen dürfen, müssen sie eben seit ein paar Jahrzehnten den Atomkrieg überleben.

Also jene Mutter aller Katastrophen, die seit ihrer Erfindung zum Glück auf sich warten lässt, was aber den pazifistischen Volkssturm nicht davon abhält, jedes Jahr zu Ostern die Jesuslatschen anzuziehen und sich als „Überlebende“ zu inszenieren (Günter Grass war so gut wie jedes Jahr dabei auf dem „Oster-Marsch“ – und links zwo drei vier!).

Ach wenn es doch nur so wäre, wenn Herr Grass nur endlich ein Fußnote würde, aber leider scheint er auch hier schon wieder zu viel versprochen zu haben, denn leider ist er keine Fußnote, er ist höchst real, aber trotzdem kein „Überlebender“ von irgendwas, oder wenn, dann nur insofern man eine atomare Vernichtung, die niemals stattgefunden hat, überleben kann.

Was Herr Grass da in seinen dichterischen Ergüssen zusammenrührt, ist ein Drittel Atomangst, ein Drittel Opfersehnsucht und ein Drittel jenes Ressentiments, das sich in Form der Israel-Kritik über die Zeiten gerettet hat; womit er den „literarischen“ und „politischen“ Geschmack seiner Fans und Groupies ziemlich genau getroffen haben dürfte.

Es ist ja nicht so, dass ein nationaler Großdichter (oder sein Verlag) sich nicht denken könnte, wie groß der Markt ist, für das, was einen Günter Grass so umtreibt. Und wessen Herz so übervoll der unterdrückten Rede, vom Schweigen, der muss einfach reden. Vor allem, wenn er sich um Kopf und Kragen redet, und das macht keiner so schön wie Günter Grass, ehemaliger Waffen-SS-ler, der den Juden, pardon: Israelis, die Leviten lesen möchte – damit die Nachkommen der historischen Opfer der Deutschen nicht schon wieder "rückfällig" werden.

 Tacheles, Herr Grass:

„Dieses allgemeine Verschweigen eines Tatbestandes, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich als belastende Lüge, auch als Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, sobald er mißachtet (sic) wird; das Verdikt ‚Antisemitismus‘ ist geläufig."

Tja, wie gesagt, inwieweit dieses Verdikt dem „intellektuellen“ Tatbestand dieses „Gedichts“ von Herrn Grass entspricht, das mag jede/r selbst entscheiden.

„Jetzt aber, weil aus meinem Land, das von ureigenen Verbrechen, die ohne Vergleich sind, mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird, wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert, ein weiteres U-Boot nach Israel geliefert werden soll, dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist, doch als Legende von Beweiskraft sein will, sage ich, was gesagt werden muß (sic)."

Das wird doch nicht alles ein „Übersetzungsfehler“ gewesen sein?

Jetzt wird er also also nicht nur „politisch“; sondern „gedenkpolitisch“: Als guter Deutscher weiß Herr  Grass, dass es die Shoah gab. Aber gerade dies Wissen um die Vernichtung dient ihm als moralische Legitimation dazu, das heutige Israel zu „kritisieren“, oder ihm in Ermangelung einer „Kritik“, die diesem Anspruch gerecht wird, zumindest „politische“ Vorschriften machen zu wollen; ein Israel, „dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist.“

Sein Herz quillt über von all dem, was er seit Jahren mit sich rumtrug, aber nicht loswerden konnte: Nun aber redet er, und wähnt sich selbst schon als „Überlebender“ und „Fußnote“ nach dem Einsatz der „allesvernichtende(n) Sprengköpfe“.

Bei Roland Emmerich und Richard Wagner wäre daraus großes Cinemaxx geworden. Unter den Händen von Günter Grass verkommt die schizoide, kryptomasochistische Opfersehnsucht des an sich selbst leidenden Bürgers zu einer ins „Politische“ gewendeten Masturbationsphantasie eines einsamen, alten Mannes mit ein paar unappetitlichen Flecken in der Unterhose.

Eines traurigen alten Mannes, der Gedanken zu Papier bringt, wie er und seinesgleichen sie so und nicht anders, dafür aber in neuer Rechtschreibung, in den einschlägigen Kommentarspalten mancher „Qualitätsmedien“ abrotzen, sobald das Reizwort „Israel“ fällt; wie Pawlowsche Hunde, die das Wasser nicht mehr halten können, aber als die wahren, die authentischen „Opfer der deutschen Geschichte“ durchgehen möchten?

Wäre doch gelacht, wenn Herr Grass das nicht auch könnte, und wenn er für seine "Israel-kritische" Zirkusnummer im falschen Kleid eines "Gedichts" keinen Applaus bekommen würde.

Was Herr Grass betreibt, geht in einem herkömmlichen Begriff von Selbstdemontage nicht auf. Es sind Melodien für Millionen, die er spielt, und er weiß das. Insofern ist er ein würdiger Epigone all jener Volkstribunen und Demagogen, die die Massen mit Ressentiments hinter sich zu bringen verstehen; egal, ob sie nun Catherine Ashton oder Sigmar Gabriel, oder Jörg Haider heißen.

(Entweder mischen sie mehr Rot ins Braune, oder mehr Braun ins Rot. Das Ergebnis dieser „politischen“ Farbspielerei gelingt immer und klumpt nicht, das beweist „Der Spiegel“ jede Woche aufs neue, und der Deutsche Bundestag zuletzt anlässlich des Pogrom-Beschlusses zur „Flottille“).

Grass gibt in seinem "Gedicht" die verfolgende Unschuld, freiwillig-unfreiwillig, aber es ist alles leider nicht sehr komisch. Er gibt sich als einer, der nicht sagen will, was er sagen will, weil er weiß, wie schwierig das für ihn als Deutschen ist.

Nun aber kann er nicht mehr schweigen, darf er nicht mehr schweigen– wegen dem „politischen“ Gewissen, das ihn doch so quält! Wegen seiner Weltanschauung, vor allem aber wegen seiner Ansicht, wonach Israel den Iran mit seinen „allesvernichtenden Sprengköpfe“ nicht nur bedroht, sondern den Iran vernichten möchte.

Und dabei hatte doch der Führer selbst den Juden „prophezeit“, was mit ihnen gemacht werden würde, wenn sie noch einmal einen Weltkrieg anzetteln, nicht wahr, Herr Grass? Ausgerechnet dieses Unschuldsparadies „wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist“.

Und wo bekanntlich auch sonst alles einfach total dufte ist, was die Menschenrechte und die Politik angeht, nicht wahr Herr Grass? Sie sollten sich mal bei jenen Exil-Iranern erkundigen, die seit ein paar Wochen in Würzburg im Hungerstreik sind, wenn es Ihnen wirklich um das ideale Gattungswesen ginge. Was die über ihre Verfolgung zu berichten haben (und zwar nicht „nur“ die im Iran, sondern auch die in Bayern) dürfte eigentlich voll nach dem Geschmack eines ehemaligen Waffen-SS-Mannes wie Ihnen sein.

Aber um derart schnöde Anfechtung durch die Wirklichkeit geht es dem Dichter nicht, und schon gar nicht seinem „Gedicht“. Er möchte sich nur rechtzeitig vor seinem Tod – nicht seinem literarischen, der ist schon lange eingetreten– vor allem aber noch vor Ostern von den moralischen Altlasten der deutschen Geschichte entsorgen, indem er aus den Nazis von damals die Israelis von heute macht.

Was könnte für einen Günter Grass exquisiter sein, als sich zu Lasten seiner historischen Opfer zu entlasten, indem er den Israelis von heute anzudichten versucht, ihre „Spezialität“ sei die Vernichtung anderer Völker?

Das scheint doch wohl eine sehr deutsche „Spezialität“ gewesen zu sein, bei der sich Günter Grass womöglich sehr anstellig verhalten hätte, das hat er mit seiner Tätigkeit für die Waffen-SS bereits angedeutet. Aber zu seinem größten Bedauern hat ihm die Befreiung vom Faschismus wohl leider, leider einen Strich durch diese Rechnung gemacht, die er aufgestellt hatte.

Tja, musste er eben „Dichter“ werden.

Der Mensch wird mit dem Alter nicht besser oder schlechter, er wird nur mehr er selbst. Das kann ein Grund für Optimismus sein, vorausgesetzt, man ist nicht so, wie Günter Grass. Der hat vor vielen Jahrzehnten mal einen Roman geschrieben, das seinen Ruhm begründet hat. Seitdem hat er von seiner Geschichte gelebt;ob er auch noch etwas anderes kann, das weiß ich nicht.

Wenn er sich nun anlässlich seines „Gedichtes“ als das gezeigt hat, was er immer schon war, dann hat er wiederum nichts Anderes versucht, als von der Geschichte zu leben. Von der deutschen Geschichte, die er sich zu eigen gemacht hat, wie kein Zweiter – indem er sich und sein Kollektiv von ihren „Altlasten“ befreien wollte, per „Literatur“, und wie gesagt noch kurz vor Ostern.

Vor allem aber auf symptomatische Weise zu Lasten der historischen Opfer und des heutigen Israel. Denn abgesehen von der Shoah ist es vor allem die Absicht, den Hass ihrer Umwelt auch in Zukunft zu überleben, was die Antisemiten aller Länder den Juden niemals verzeihen werden und was sie gegen Israel, den „Juden unter den Staaten“, so aufbringt.

Herr Grass ist, wenn man ihn gefragt hat, und in seiner Funktion als „moralisches“ Gewissen der Nation hat man ihn in Deutschland stets gerne befragt, mehrfach der Meinung gewesen, der Antisemitismus läge an den Juden, hätte mit „ihnen“ zu tun, und würde besser, wenn Israel den „Landraub“ endlich beendet, jaja – Günter Grass glaubt an bestimmt nicht sehr viel zwischen Himmel und Erde, aber an „The Juice“ glaubt er mit tödlicher Sicherheit.

Nun hat er endlich sein Schweigen gebrochen, und etliche von ihm unterstellte Tabus. Und das ist gewissermaßen die Pointe: Es gibt keine Tabus, denn in einem freien Land hat jeder das Recht, sich zum Narren zu machen - oder zum Antisemiten. Und deshalb danken wir Günter Grass für seinen Beitrag zum Thema, nun wissen wir endlich ganz genau, woran wir bei ihm sind.

 

Foto: Krass auf englisch ...

 

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Autor: 34
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Mittwoch, 04 April 2012






günter grass ist ein held....und er sagt die Wahreit .



Sagt der Nazi zum Anderen...



Ein ärgerlicher Artikel, mit einem Anteil von 95 % Polemik und 5 % Inhalt, eine Polemik, die zeitweise ins Vulgäre abgleitet.



Und was ist daran Polemik? Und was vulgär?

Das es eine gewisse Wechselhaftigkeit zwischen Rot und Braun gibt - na ja, das war doch auch schon vor Grass, S. Gabriel und den Studien über den Antisemitismus der Linkspartei bekannt. Nicht von ungefähr liefen doch so manche "Rot Front-Kämpferbund"-Genossen mit fliegenden Fahnen zur SA über, oder so mancher KPF-Wähler nahtlos zum Front National .....



schaft die zensur hier ab!



Was die Wechselhaftigkeit zwischen Rot und Braun angeht usw da bin ich Ihrer Meinung, habe auch keine inhaltlichen Differenzen mit Gerrik. Ich denke nur, dass in einem Artikel der argumentative Teil die polemische Überspitzung überwiegen muss, sonst ist er wenigstens für mich nicht lesbar bis unerträglich, und dieses Verhältnis gab es in diesem Artikel nicht mehr.

Ich hätte es daher für besser gefunden, wenn dieser Artikel stilisitsch überarbeitet wird bevor er veröffentlicht wird.

Für vulgär halte ich z B diese Stelle "ins „Politische“ gewendeten Masturbationsphantasie eines einsamen, alten Mannes mit ein paar unappetitlichen Flecken in der Unterhose."

Was bringt das? Warum so eine Niveaulosigkeit?

Diese Niveaulosigkeit schadet nicht Grass, sie schadet HaOlam.

Und: Zensur gibt es hier natürlich nicht.

 

 

 



Hallo Herr Schleicher,

der Text ist ja keine Reportage oder Nachrichtenmeldung - sondern klar als Kommentar gekennzeichnet, von daher ist es für mich völlig in Ordnung, das Herr Liskow hier seine persönliche Sicht zum Ausdruck bringt.

Was das "vulgäre" angeht - ich vermute, Herr Liskow möchte einfach, falls Herr GraSS den Text liest, das er ihn auch versteht. Nachdem ich das in weiten Strecke präpornografische und teilweise direkt pornografische Schundstück "Blechtrommel" gelesen habe, ist das hat nunmal die Sprache des SS-Dichters.Ich finde es von dem Autoren sogar überaus nett, das er sich bemüht, auch für Herrn GraSS verständlich zu sein ....



Günter Grass hat in ein Wespennest gestochen.

Erste Umfragen ergeben, dass 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung ihm zustimmen. Und nun diskutieren endlich alle über Israel. Das Teflon-Image des 64-Jahre-Staates ist nun in Frage gestellt.